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Kunst als Marke europäischer Identität

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Edited By Michael Fischer

Wenn von Europa die Rede ist, kommt die Kunst und das kulturelle Erbe ins Spiel. Beide gelten als integratives Instrument neben den treibenden Motoren Politik und Wirtschaft. Im Hofmannsthalschen Sinne ist die Kunst ein Lebensmittel, das die Menschen für ein sinnerfülltes Dasein benötigen. Die dringenden existentiellen Fragen haben sich von Philosophie und Religion in Richtung Kunst verlagert. Sie ist das große Experimentierfeld für mögliche Antworten. Der Band enthält neben prinzipiellen Überlegungen zur Kunst ein breites Spektrum von Fallstudien, die alle im Zusammenhang mit der Kunst als Marke europäischer Identität stehen. Etliche Beiträge verbindet die These, dass gerade die Bühnenkünste ein Medium des europäischen Aufklärungsprozesses sind.

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Fallstudien

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131 Liebe und Tod in Shakespeares Tragödien 1 Aleida Assmann Ich möchte über zwei von Shakespeares Liebestragödien sprechen und das Leit- thema ‚Liebe und Tod‘ auf paradigmatische Weise variieren: Romeo and Juliet und Othello. 1. Romeo und Juliet Shakespeares Liebesmythos Romeo und Julia sind in der Rezeption in den Rang eines modernen mythischen Liebespaars aufgestiegen. Dieses Paar verkörpert in Reinkultur den Mythos der romantischen Liebe, der immer wieder inszeniert und ins Bild gesetzt wurde. Die theatralische Balkonszene, schälte sich dabei als prägnante Pathosformel heraus, die diesen Mythos zur Ikone verfestigte und zu einem lieu de mémoire im west- lichen Kulturgedächtnis machte. Vom 18. bis zum 20. Jahrhundert wurde die Handlung des Dramas auf den visuellen Stereotyp dieser Szene zu einem visuel- len Stereotyp konzentriert, der mit den Sehnsüchten der jeweiligen Epoche bela- den wurde. Wie kommt es zu diesem Liebesmythos? Aus welchen Elementen hat Shakespeare ihn geschaffen? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir zu- nächst einmal unterscheiden zwischen dem romantischen Liebesmythos des 19. Jahrhunderts und dem der Shakespeare-Zeit. Der Liebesmythos der Elizabetha- ner ist keineswegs identisch mit dem Liebesmythos der Viktorianer. Beginnen wir also mit dem elizabethanischen Liebesmythos. Um 1595, als Shakespeare seine Tragödie schrieb, hatte die Tradition der höfischen Liebe Hochkonjunktur. Das Konzept der ‚höfischen Liebe‘ geht auf Andreas Capella- nus zurück, der in seiner Schrift De Amore vom Ende des 12. Jahrhunderts dieses Liebessystem in 31 Regeln zusammengefasst hat. Es handelt sich...

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