Show Less

Topographien der Begegnung

Untersuchungen zur jüngeren deutschen und polnischen Prosa der "Grenzräume</I> nach 1989

Series:

Izabela Drozdowska-Broering

Die meisten der deutsch geprägten Nord- und Westregionen des heutigen Polens galten in der jahrhundertelangen gemeinsamen Geschichte der beiden Nationen als ein Raum, in dem verschiedene Werte, Traditionen und kulturelle Errungenschaften aufeinandertrafen und einander durchdrangen. Nach 1989 rückten diese Regionen erneut in den Fokus der Literatur. Inwieweit führt aber die literarische Aufschlüsselung der Kulturlandschaften zu einer Begegnung mit dem Anderen? In welchem Maße entspricht sie dem Bedürfnis nach Selbstbestimmung und Identifikation? Die Monographie bietet ein kritisches Panorama der dominanten Diskurse und Tendenzen innerhalb der deutschen und polnischen Prosa der Grenzräume. Die Darstellung wird durch eine Reihe von exklusiven Interviews mit Autoren abgerundet.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Einleitung

Extract

: Die meisten der deutsch geprägten Nord- und Westregionen des heutigen Polens galten in der jahrhundertelangen gemeinsamen Geschichte der beiden Nationen als ein Raum, in dem verschiedene Werte, Traditionen und kulturelle Errungen- schaften aufeinandertrafen und einander durchdrangen, was in der Herausbil- dung bestimmter Kulturlandschaften resultierte. Durch die literarische ‚Wiederentdeckung’ der Regionen seitens der polni- schen und deutschen Schriftsteller werden die so herausgebildeten Grenzräume einer erneuten Lektüre unterzogen, die manchmal akribisch genau, manchmal flüchtig und selektiv mit der Region und ihren Bewohnern umgeht. Das Phänomen der Literatur des „kleinen Vaterlandes“ (polnisch: mała ojczyzna)1 lässt sich schwer in zeitliche Rahmen zwingen. Wenn man die Er- scheinung an die Erfahrung der Deprivation bindet, muss man auf die Zeit der Teilungen Polens und auf die romantische Tradition zurückgreifen.2 Die heutige Literatur der „kleinen Vaterländer“ suchte jedoch ihr geistiges Erbe in Texten solch bedeutender Autoren, wie Czesław Miłosz, Stanisław Vincenz, Józef Witt- lin, Jerzy Stempowski, Zygmunt Haupt, Józef Mackiewicz, Jerzy Konwicki oder Julian Stryjkowski. Jüngere Schriftsteller, die dieser Tradition verpflichtet blei- ben, beschreiben jedoch nicht den Verlust der persönlichen Heimat, wie ihre Vorgänger es getan haben, sondern vielmehr neue Gebiete, auf welchen sie nach den Spuren der Anderen (in erster Linie der Deutschen) suchen. Anders gestaltet sich die Situation dieser literarischen Ausrichtung in Deutschland, wo die große Welle der mit Flucht und Vertreibung verbundenen Literatur nach dem Jahr 1945 beginnt.3 Das Motiv des Heimatverlustes sowie 1 Nach...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.