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Soziopolitischer Wandel und Sprachbewusstsein

Quechua-Spanisch-Bilinguale im urbanen Großraum von Cochabamba (Bolivien)

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Jurek Hentschel

Vor dem Hintergrund der jüngsten soziopolitischen Transformationsprozesse in Bolivien und unter besonderer Berücksichtigung der aktuellen Sprach- und Bildungspolitik der Regierung Morales wird die traditionell konfliktive Sprachsituation des Landes thematisiert. Mittels qualitativer Methoden empirischer soziolinguistischer Forschung werden Aspekte des Sprachbewusstseins bilingualer Quechua-Spanisch-SprecherInnen im urbanen Großraum von Cochabamba analysiert. Ziel ist das Herausarbeiten von Einflüssen der aktuellen Transformationsprozesse. Können diese positiv auf die ungesicherte Zukunft des Quechua einwirken? Im Fokus der Analyse stehen die Einstellungen der Bilingualen zu den beteiligten Sprachen, zum soziopolitischen Wandel und zur Sprach- und Bildungspolitik sowie der individuelle und gesellschaftliche Sprachgebrauch.

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5. Fazit und Ausblick

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Der erste Teil dieser Arbeit verdeutlicht, dass der soziopolitische Wandel in Bo- livien auf eine lange Geschichte des Kampfes sozialer und indigener Bewegun- gen um Anerkennung und Wertschätzung der ethnischen, kulturellen und sprachlichen Vielfalt des Landes sowie um politische und gesellschaftliche Par- tizipation der jahrhundertelang marginalisierten indigenen Bevölkerungsmehr- heit zurückgeht. Die Sprach- und Bildungspolitik stellt dabei für diese Bewe- gungen einen zentralen Bereich dar, um tiefgreifende gesellschaftliche Verände- rungen zu erreichen. Denn gerade hier wird die Sprachsituation des Landes, die sich unter asymmetrischen Machtverhältnissen entwickelt hat, reproduziert. In ihrer historischen Geprägtheit ist diese Sprachsituation generell von Sprachkon- flikt, Diglossie unter spanischsprachiger Dominanz und Diskriminierung der Sprecher indigener Sprachen bestimmt. Die Folgen sind Sprachverschiebung und individueller Sprachverlust zulasten der indigenen Sprachen und eine ver- breitete Neigung zu ethnischer, kultureller, sozialer und sprachlicher Selbstver- leugnung ihrer Sprecher. Seit dem Wahlsieg des MAS im Dezember 2005 und dem Regierungsantritt von Evo Morales im Januar 2006 konnten zahlreiche sprach- und bildungspoliti- sche Forderungen der sozialen und indigenen Bewegungen Boliviens erstmals in konkrete Regierungspolitik überführt werden. Mit der Verabschiedung der neu- en Verfassung im Januar 2009 erhielten diese teilweise sogar Verfassungsrang und wurden im neuen Bildungsgesetz „Avelino Siñani – Elizardo Pérez“ (LEY 070) verankert. Die Sprach- und Bildungspolitik wird dabei als ein Instrument betrachtet, mit dessen Hilfe die Dekolonisierung von Staat und Gesellschaft vo- rangetrieben werden soll. Im urbanen Großraum von Cochabamba, in dem die empirische Studie durchgeführt wurde, liegt eine besondere Sprachsituation vor....

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