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«Minimale Kosten, absolut kein Blut»

Österreich-Ungarns Präsenz im Sandžak von Novipazar (1879–1908)

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Tamara Scheer

Der Berliner Kongress 1878 sprach Österreich-Ungarn das Recht zur Besetzung Bosnien-Herzegowinas und eine Truppenpräsenz im Sandžak Novipazar zu. Aufgaben waren die Sicherstellung von Ruhe und Ordnung gemeinsam mit den Autoritäten des Osmanischen Reiches und die Verhinderung einer Vereinigung Serbiens und Montenegros. Die Balkanerfahrung war langfristig prägend. Der alte Erbfeind Osmanisches Reich wurde als zuverlässig kennengelernt – als ebenso multiethnisches Imperium saß man im selben Boot. Intensiver Kundschaftsdienst verurteilte die orthodoxe Bevölkerung als den serbischen Nationalismus verbreitend. Es zeigten sich im Alltag aber auch die inneren nationalen Brüche der Habsburgermonarchie. Annexionskrise und Jungtürkische Revolution beendeten 1908 die 30 Jahre währende Präsenz.

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III. Die Umsetzung des Berliner Mandats und der politischen Interessen

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Es waren zum einen politische Interessen, wie sie von Außenminister Gyula Andrássy bereits im Laufe der 1870-er Jahren formuliert worden waren, zum anderen das Mandat des Berliner Vertrags sowie das Kon- stantinopler Abkommen, die die Aufgaben, Pflichten und Rechte für die k.u.k. Präsenz im Sandžak vorgaben. Der Passus, wonach Österreich- Ungarn gemeinsam mit dem Osmanischen Reich Ruhe und Ordnung im Sandžak sicherzustellen habe, bedingte eine enge und tägliche Fühlung- nahme mit der örtlichen Verwaltung und dem Militär. Außerdem war gefordert und festgelegt worden, die Verkehrsinfrastruktur (d. h. Bahn-, Straßen-, Post-, Telegraphen- und Fährverbindungen sowie Brücken) zu etablieren bzw. Bestehendes auszubauen. Dieser Auftrag beinhaltete so- wohl Verbindungen, derer die Präsenz täglich selbst bedurfte, sowie den Bau einer als strategisch wichtig deklarierten Eisenbahnverbindung. Die Bahnfrage war mit einer weiteren Forderung Andrássys in Berlin eng verknüpft – der Möglichkeit, die Präsenz im Sandžak für eine wirtschaft- liche Expansion zu nutzen. Inwieweit diese Rechte und Pflichten vor Ort zu Komplikationen führten, ihnen überhaupt nachgegangen wurde bzw. diese am Papier blieben, ist in diesem Kapitel zu behandeln. Das Interes- se am Sandžak gründete aber nicht ausschließlich auf den oben genann- ten politischen und wirtschaftlichen Forderungen, denn von kaum ge- ringerer Wichtigkeit war die damit eng verknüpfte und erstrebte Auf- rechterhaltung des Prestiges einer Großmacht, d. h. die kulturelle Sen- dungsmacht am Balkan. Die k.u.k. Präsenz fand sich zwischen...

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