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«Minimale Kosten, absolut kein Blut»

Österreich-Ungarns Präsenz im Sandžak von Novipazar (1879–1908)

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Tamara Scheer

Der Berliner Kongress 1878 sprach Österreich-Ungarn das Recht zur Besetzung Bosnien-Herzegowinas und eine Truppenpräsenz im Sandžak Novipazar zu. Aufgaben waren die Sicherstellung von Ruhe und Ordnung gemeinsam mit den Autoritäten des Osmanischen Reiches und die Verhinderung einer Vereinigung Serbiens und Montenegros. Die Balkanerfahrung war langfristig prägend. Der alte Erbfeind Osmanisches Reich wurde als zuverlässig kennengelernt – als ebenso multiethnisches Imperium saß man im selben Boot. Intensiver Kundschaftsdienst verurteilte die orthodoxe Bevölkerung als den serbischen Nationalismus verbreitend. Es zeigten sich im Alltag aber auch die inneren nationalen Brüche der Habsburgermonarchie. Annexionskrise und Jungtürkische Revolution beendeten 1908 die 30 Jahre währende Präsenz.

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IV. Österreichisch-ungarische Kolonie und Alltagsraum im Sandžak Plevlje

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Neben jenen Personen, die in den Sandžak offiziell als Teil der k.u.k. Präsenz entsandt worden waren, gab es eine wachsende österreichisch- ungarische Kolonie. Diese setzte sich aus Familienangehörigen der poli- tisch-militärischen Vertretung zusammen sowie aus weiteren zugezoge- nen österreichischen und ungarischen Staatsbürgern sowie bosnisch- hercegovinischen Landesangehörigen. Reichskriegsminister Franz Schön- aich bezeichnete sie 1902 als eine kleine, aber doch nennenswerte österrei- chisch-ungarische ‚Kolonie’ [...] der im Lim-Gebiet sesshaften eigenen Staats- bürgerinnen und Staatsbürger.557 Wolfgang Heller, Stabschef in Plevlje, nannte sie in einer Publikation hingegen als Militärkolonie.558 Franz Griesmayr bezeichnete sie, als er über die Tätigkeit des österreichischen Handelsmuseums559 schrieb, als Kompensation für den fehlenden Kolo- nialbesitz. Grundsätzlich wurde unter dem Begriff Kolonie ein Perso- nenkreis verstanden, der im Osmanischen Reich unter dem besonderen Schutz eigener Konsuln oder Konsularvertreter stand560, was auch auf die österreichisch-ungarische Kolonie im Sandžak zutraf. 557 ÖStA/HHStA/PA, XII. Türkei (1848–1918), Nr. 214, RKM Schönaich an Minister des Äußern Gołuchowski, 9.4.1902. 558 ÖStA/KA/NL, B/92, Wolfgang Heller, 19–21, Beilage: Artikel mit dem Titel Kai- sers Geburtstag in Plevlje, in: Die Vedette, 19.8.1905. 559 Als Kompensation für den fehlenden Kolonialbesitz [wurde versucht] an den wich- tigsten Welthandelsplätzen die ‚österreichisch-ungarischen Kolonien’ zu gründen, de- ren Ziele es sein sollten, die Staatsbürger der Monarchie zu einer festen Gemeinde zu- sammenzuführen, damit sie so den Interessen der eigenen Nation besser dienen könnten (Griesmayr, Das österreichische Handelsmuseum, 69). 560 Haider-Wilson,...

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