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Tod und Sterben in der Medizin

Eine Untersuchung zu Begriffsgeschichte und aktueller Bedeutung

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Matthias Gruber

Tod und Sterben gelten in unserer Gesellschaft immer noch als Tabu. Zum Sterben wird gerne auf Institutionen wie Krankenhaus oder Pflegeheim zurückgegriffen. Durch die Palliativmedizin und den immer stärkeren Einfluss der Hospizbewegung ändert sich mittlerweile das Bewusstsein für die letzte Phase des Lebens. Diese Studie betrachtet den Umgang mit den Begriffen Tod und Sterben in der Medizin. Auch werden die damit in Zusammenhang stehenden Begriffe Lebensqualität, Sterbehilfe und Sterbebegleitung in ihrer historischen Entwicklung thematisiert. Den Abschluss der Arbeit bildet eine ausführliche Betrachtung der historischen und aktuellen Bedingungen einer Kommunikation mit Sterbenden.

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Vorwort

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Während meiner Zeit des zivilen Ersatzdienstes auf einer Intensivstation gab es ne- ben einigen befremdlichen Erlebnissen eines, das mir außerordentlich prägnant in Erinnerung geblieben ist und mich zu einer Studie mit dem Themenbereich „Tod und Sterben“ enorm animiert hat. Ein Patient, welcher zehn Tage nach einer Herz-Operation noch immer intu- biert auf der Intensivstation versorgt werden musste, erlitt einen Herz- und Kreis- laufstillstand und wurde in dieser extremen Ausnahmesituation im Zimmer auf der Station am offenen Herzen reanimiert. Ein an dieser Reanimation unbeteiligter Arzt, der zur Überwachung der anderen Patienten bereitsaß, meldete sich – mit Blick in das Zimmer des Reanimierten – am läutenden Telefon mit folgendem Wortlaut, den er in lapidarer Betonung vortrug: „Ja, Ihrem Mann geht es gut.“ Kur- ze Pause. Dann fuhr er in gleichem Tonfall fort: „Ach nein, der ist tot.“ Ich habe diese Begebenheit als ein Schlüsselerlebnis für mich bezeichnet, das in mir erstmals die Frage aufkommen ließ, wie Ärzte, die zwar mit dem Tod kon- frontiert, selbst aber auch sterbliche Menschen sind, mit den Themen „Sterben“ und „Tod“ bekannt werden, mit ihnen lernen umzugehen und wie sie auf Situationen vorbereitet werden, in denen sie schlimmste Nachrichten zu vermitteln gezwungen sind. Zu Beginn der 1980er Jahre, als mir dieses Ereignis widerfuhr, erntete ich auf vorsichtiges Nachfragen im klinischen Berufsalltag vornehmlich verständnisloses Achselzucken. Als ich zu Beginn dieses Jahrtausends – gut 20 Jahre später also – die Gele- genheit erhielt, eine Studie zu einem sprachwissenschaftlichen Thema zu unter- nehmen, erinnerte ich mich...

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