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Hansegeschichte als Regionalgeschichte

Beiträge einer internationalen und interdisziplinären Winterschule in Greifswald vom 20. bis 24. Februar 2012

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Oliver Auge

Dieser Band versammelt die Beiträge einer interdisziplinären und internationalen Winterschule, die vom 20. bis 24. Februar 2012 im Alfried Krupp Wissenschaftskolleg in Greifswald stattfand. Renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen Geschichte, Archäologie, Kunstgeschichte, Sprachwissenschaft, Museologie und Didaktik äußern sich aus ihrer Sicht zum neuen Forschungsdesign, das Hansegeschichte regionalhistorisch begreifen und erforschen will. Außerdem stellen angehende Hanseforscherinnen und Hanseforscher ihre laufenden oder gerade abgeschlossenen Projekte vor. Der Band vermittelt so einen guten Eindruck, was Hanseforschung zurzeit ausmacht und wie künftige Perspektiven der Hanseforschung aussehen können.

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Gräber, die die Welt deuten – Der Beitrag der neuen Kulturgeschichte zur regionalen Hansegeschichte: Von Stefanie Rüther

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Gräber, die die Welt deuten – Der Beitrag der neuen Kulturgeschichte zur regionalen Hansegeschichte Von Stefanie Rüther Im vorletzten Kriegsjahr des Zweiten Weltkriegs erhielt das ehemals humanistische Gymnasium im westfälischen Warendorf einen neuen Namen. Das „Laurentianum“, das auf eine über 600jährige Tradition zurückblicken konnte, sollte 1944 nach dem Willen der nationalsozialistischen Schulbehörde fortan „Bruno-Warendorp-Schule“ heißen.1 Doch diese zweifelhafte Ehre wurde dem Lübecker Ratsherrn und Bür- germeister des 14. Jahrhunderts nur für kurze Zeit zu Teil, nach Kriegsende erhielt die Schule mit der Wiederaufnahme des Schulunterrichts auch ihren alten Namen wieder zurück. Wie aber konnte Bruno Warendorp fast 600 Jahre nach seinem Tod zum Namensgeber einer „Deutschen Oberschule“ im 350 km von Lübeck entfernten Warendorf werden? In der Hanseforschung ist die Grabplatte Bruno Warendorps in der Lübecker Marienkirche seit langem bekannt.2 Sie ist deshalb besonders geeignet, um exemp- larisch vorzuführen, wodurch eine kulturhistorische Herangehensweise gekenn- zeichnet ist und welche Perspektiven sie für eine regionale Hansegeschichte bieten kann.3 Einen einzelnen Gegenstand, ein Artefakt, zum Ausgangspunkt der Über- legungen zu machen, kann bereits einen wesentlichen methodischen Zugang der Kulturgeschichte darstellen. Dabei geht es zunächst darum, eine Perspektive der Fremdheit einzunehmen, das heißt, so zu tun, als sei dieser Grabstein aus dem 14. Jahrhunderts in gleicher Weise fremd wie etwa indianische Bestattungsriten.4 Im Sinne eines „ethnologischen Blicks“ wird danach gefragt, wozu diese Grabplatte im 14. Jahrhundert gedient hat, welchen Sinn und Bedeutung sie für die Zeitgenossen hatte.5...

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