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Gallienus

2., unveränderte Auflage

Michael Geiger

Gallienus herrschte auf dem Gipfel der «Krise des 3. Jahrhunderts». Eine Gesamtdarstellung aller Aspekte seiner Herrschaft stellt ein Desiderat der Forschung dar. Der Autor versucht dies unter Auswertung v. a. literarischer, numismatischer und epigraphischer Quellen. Zu umstrittenen chronologischen Fragen wird Stellung genommen. Unter Gallienus kam es zu wichtigen Weichenstellungen im militärisch-administrativen Bereich sowie auf dem Gebiet der Herrschaftsdarstellung. Dieser Kaiser ließ viele originelle Münztypen prägen und glich sich dabei verschiedenen Gottheiten an. Das Christentum erfuhr unter Gallienus erstmals offizielle Anerkennung. Somit hatte Gallienus an einem wichtigen Punkt der Römischen Geschichte eine Verbindungsfunktion inne.

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1 Einleitung

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Theodor Mommsen hielt nichts von Kaiser Gallienus. Er schreibt in einem Brief an seinen Schwiegersohn vom 5. Februar 1884 Folgendes: „Grüß Marien; ich hätte ihr geschrieben längst, wenn mir nicht Kaiser Gallienus alle Laune verdorben hätte … .“1 Diese launige Bemerkung blieb nicht die einzige; auch in seinen Vorlesungen äußerte er sich in diese Richtung: „Man muss zugeben, dass vielleicht nie ein Mensch vor einer schwierigeren Aufgabe gestanden hat als Gallienus. Er soll früher als Offizier ganz tüchtig gewesen sein, aber der großen Feldherrenaufgabe war er nicht gewachsen. Er ließ die Dinge gehen, gleichgültig und weibisch. Es ist ein eigenes Verhängnis, dass in derselben Zeit, wo Zenobia, ein heldenhaftes Weib, Palmyra gegen den östlichen Ansturm mannhaft verteidigte, Gallienus sich in Weibertracht auf seinen Münzen als Galliena Augusta verherrlichte – es ist der Gipfel der Schande. Die einzelnen Reichsteile mussten selbst für ihre Sicherheit sorgen.“2 Ähnlich auch das Bild im fünften Band seiner „Römischen Geschichte“: „Valerian war schwach und bejahrt, Gallienus fahrig und wüst, und der Lenkung des Staatsschiffs im Sturme weder jener noch dieser gewachsen. Zu einer wirklichen Wendung zum Besseren kam es nicht, solange Gallienus den Thron einnahm.“3 Dieses Bild von der Herrschaft des Gallienus beeinflusste in der Forschung Zeitgenossen und Nachwelt auf Jahrzehnte hin. Im Jahr 253 wurde Licinius Gallienus von seinem Vater Licinius Valerianus I. zum Mitaugustus berufen.4 Damit amtierten das letzte Mal gebürtige Senatoren als Kaiser. Während Valerian I. angeblich...

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