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Einführung in die Übersetzungskultur

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Maria Krysztofiak

Dieses Buch richtet sich an Übersetzungswissenschaftler, Studenten der Kulturwissenschaften und Übersetzer von Literatur und medialen Kunstwerken. Es eröffnet eine synthetisierende Überlegung zum Stand der Übersetzungswissenschaft und ist als Nachschlagewerk und Wegweiser zur Methodologie der Übertragungen von Kunsttexten gedacht. Kunsttexte werden dabei verstanden als literarische Narrationen, essayistische Beiträge zur Philosophie, Theologie, Kunst und Publizistik, literarisierte Reportagen und jede Art von medialen Texten für Theater, Film und Internet, die sich in einer Kunstform vergegenwärtigen und den Gesetzen der Ästhetisierung der Sprache folgen. Im Fokus des Buches stehen die Theorie und Praxis der drei grundlegenden Translations-Codes – des semantischen, des kulturgeschichtlichen und des ästhetischen –, deren Anwendung zum Gelingen der Arbeit des Übersetzers beitragen kann. Darüber hinaus werden auch Diskurse zur Übersetzungsrezeption und Übersetzungskritik dargestellt.

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IV. Rezeption als Verifizierungsinstrumentder Übersetzung

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IV. Rezeption als Verifizierungsinstrument der Übersetzung 1. Die Rezeption der übersetzten Kunst- und Literaturwerke als Phänomen des multimedialen Zeitalters Die Übersetzung von literarischen oder medialen Kunstwerken hat als Kulturarbeit nur dann einen Sinn, wenn die Resultate des Übersetzens auch wirklich in Printform oder in einer vervielfältigten Art eines medialen Werkes öffentlich zugänglich gemacht werden. Diese Zugänglichkeit ermöglicht zu- nächst eine literaturhistorische und kulturgeschichtliche Verortung der Übersetzung, weiterhin die Abschätzung ihrer Wirkung und schließlich auch ihre Auswertung in ästhetischen und medialen Kategorien. Für den Rezipienten eines literarischen Werkes ist es letztendlich egal, wer das Werk übersetzt hat, er liest es sowieso wie ein Originalwerk und glaubt, der Autor hätte es gerade so geschrieben. Erst wenn er mehrere aufeinanderfolgende Übersetzungen verfolgt, etwa die deutschen Übertragungen von Fjodor Dostojewskijs Schuld und Sühne, merkt er, dass es sich um zwei ganz verschiedene Fassungen des gleichen Werkes handelt, wobei das Desaster schon bei der deutschen Formulierung des Titels beginnt. Neuerdings heißt der Roman auf Deutsch Verbrechen und Strafe, was auf jeden Fall eher dem Originaltitel Prestuplenje i nakasanie entspricht. Die von der Übersetzerin Svetlana Geier gewagte Umformulierung des in der deutschen Lesetradition eingebürgerten Titels hat auch die im Titel vorgegebene Lesart des Romans verändert. An diesem Beispiel, das sich in seiner Intention oft wiederholt, erkennt man, welche Bedeutung der Rezeption der literarischen Übersetzung zukommt. Es ist im Übrigen keine Ausnahme, dass Literatur- oder Filmwerke in der Übersetzung einen neuen, geänderten...

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