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Ludwig Bechstein: Die kleinen Novellen und die Erzählungen

Inhalte – Kommentare – Materialien

Susanne Schmidt-Knaebel

Ludwig Bechstein (1801 bis 1860) ist heute vor allem durch seine Märchen- und Sagenadaptationen bekannt. Er hat aber auch zahlreiche Romane und Erzählungen geschrieben, von denen nicht wenige zu seinen Lebzeiten äußerst erfolgreich waren. Diese Studie ist denjenigen Texten gewidmet, die der Autor selbst als seine kleinen Novellen bezeichnet. Mit einer interdisziplinären Methode, die Arbeitsweisen der Literaturwissenschaft um die einer Linguistik literarischer Texte ergänzt, wird für jede Novelle ein dreiteiliger Kommentar erstellt. Er besteht aus einer Inhaltsangabe, der Beschreibung der semantischen und syntaktischen Besonderheiten und einer Zusammenstellung der zeitgenössischen, beziehungsweise – falls vorhanden – moderneren Kritik. Besonderes Gewicht wird dabei auf die Frage nach den Quellen der einzelnen Texte und deren Bezügen zu anderen Teilen des Gesamtwerks gelegt. So lassen sich frühe von mittleren und späten Texttypen unterscheiden, und diejenigen Rezensenten werden widerlegt, die Bechstein jede Entwicklung in Bezug auf seine erzählende Prosa abgesprochen haben. Ferner lassen sich die Fremdanteile in drei postum veröffentlichten letzten Novellen identifizieren.

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13 Eine Tochter Nestors. Historische Erzählung (1853)

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In: Novellen-Zeitung. Neueste Folge. 2. Jahrg. 4. Band. Leipzig (Otto Spamer) 1853, Nr. 27 (3-14) und Nr. 28 (19-25), zusammen 17 doppelspaltige Seiten, die etwa 52 Novellenseiten entsprechen. Inhalt: An einem stürmischen Tag im Hafen von Travemünde tritt eine Fremde an den dänischen Kapitän Christoph Dalschütte heran. Die Frau ist von einer langen, beschwerlichen Wanderschaft gezeich- net, und Dalschütte geleitet sie auf sein Schiff, um sie mit nach Kopenhagen zu nehmen. Sie will seinen König, Christian III., um Hilfe bitten. Der königliche Kapitän sitzt stundenlang, während die Mannschaft auf guten Segelwind wartet, am Lager der Fremden und lässt sich ihre Lebensgeschich- te erzählen. Ihren Familiennamen will Margaretha nicht nennen. Ihr Vater war ein einflussreicher Mann, sein Haus stand in Berlin, so berichtet die Unbekannte. Mit neunzehn Jahren wurde sie mit einem Mann verheiratet, der sie bereits nach einem Jahr als Witwe zurückließ. Mit ihrem zweiten Mann hatte sie sechs Kinder, doch verdüsterte sich dessen Sinn infolge eines Schlaganfalls, so dass er sie mit zunehmendem Hass verfolgte. Bald wurde sie das hilflose Opfer der Räte seines Landes. Ihre Diener wurden angewiesen, sie zu isolieren, so dass sie ihre Berliner Verwandtschaft nicht um Hilfe bitten konnte. Man nahm Margaretha sogar die Kinder aus der zweiten Ehe weg und unter- band den Kontakt mit Sohn und Tochter aus der ersten Verbindung. Ihren kranken Ehemann bekam sie nicht mehr zu Gesicht, einen Giftanschlag in seinem Auftrag überlebte sie nur...

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