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Ludwig Bechstein: Die kleinen Novellen und die Erzählungen

Inhalte – Kommentare – Materialien

Susanne Schmidt-Knaebel

Ludwig Bechstein (1801 bis 1860) ist heute vor allem durch seine Märchen- und Sagenadaptationen bekannt. Er hat aber auch zahlreiche Romane und Erzählungen geschrieben, von denen nicht wenige zu seinen Lebzeiten äußerst erfolgreich waren. Diese Studie ist denjenigen Texten gewidmet, die der Autor selbst als seine kleinen Novellen bezeichnet. Mit einer interdisziplinären Methode, die Arbeitsweisen der Literaturwissenschaft um die einer Linguistik literarischer Texte ergänzt, wird für jede Novelle ein dreiteiliger Kommentar erstellt. Er besteht aus einer Inhaltsangabe, der Beschreibung der semantischen und syntaktischen Besonderheiten und einer Zusammenstellung der zeitgenössischen, beziehungsweise – falls vorhanden – moderneren Kritik. Besonderes Gewicht wird dabei auf die Frage nach den Quellen der einzelnen Texte und deren Bezügen zu anderen Teilen des Gesamtwerks gelegt. So lassen sich frühe von mittleren und späten Texttypen unterscheiden, und diejenigen Rezensenten werden widerlegt, die Bechstein jede Entwicklung in Bezug auf seine erzählende Prosa abgesprochen haben. Ferner lassen sich die Fremdanteile in drei postum veröffentlichten letzten Novellen identifizieren.

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14 Der gute Sohn (1853)

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In Ludwig Bechstein/ H. Bürkner (Hgg.): Deutscher Jugend-Kalender. Neue Folge. Leipzig (Georg Wigand), 13-27 (mit Illustrationen). Inhalt: In dem nordthüringischen Dorf Eckelstädt (heute: Eckolstädt) lebt der arme Bauer Becker mit zwei Söhnen und einer Tochter. Sein ältester Sohn, Hanngottfried, ist ein „sanftes und gehorsames Kind“ (13) und ein eifriger Schüler, so dass der Kantor und der Pfarrer ihn in dem Wunsch unterstützen, nach der Schule ein Studium zu beginnen und selbst Pfarrer zu werden. Um das nötige Geld dafür zurücklegen zu können, hütet Hanngottfried die Schweine und liest bei dieser Arbeit so viele Bü- cher, dass er bei seiner Konfirmation bereits als ein „halbes Wunderkind“ (14) gilt. Das vom Kantor erwirkte Stipendium eines Altenburger Konsistorialrats soll den Besuch des Gymnasiums ermögli- chen. Der Pfarrer schickt seinen Schützling mit einem wichtigen Brief auf Wanderschaft, damit er etwas von der großen Welt zu sehen bekommt. Mit offenen Augen geht der Junge über Naumburg und Weißenfels nach Lützen, Markranstädt und am nächsten Tage bis Leipzig. Dort hat er den Buchhändler Grieshammer aufzusuchen, der den Jungen einigen wohlhabenden Freunden emp- fiehlt. Diese legen weitere Geldbeträge zusammen, und so ist der Weg auf das Gymnasium von Eisenberg endgültig geebnet. Der Fleiß und das tadellose Betragen des jungen Becker sorgen dafür, dass er nach einigen Jahren in der Residenzstadt Altenburg ein hervorragendes Reifezeugnis erhält. Bevor er als Student nach Leipzig zur...

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