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Hausväter

im Drama Lessings und des Sturms und Drangs- Über deutsche Dichtungen 7

Wolfgang Wittkowski

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Heinrich Leopold Wagner und Lessing

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Und welcher Lessing, bitte? Natürlich doch das Haupt der literari- schen Aufklärung und der Schöpfer des deutschen bürgerlichen Trauerspiels. Nein, ausnahmsweise nicht. Vielmehr war es des gro- ßen Lessing kleiner Bruder Karl (1740-1812), der Wagners Kinder- mörderin, die 1776 anonym erschien, noch im selben Jahr bearbeitete und mit einer Vorrede veröffentlichte. Dadurch bewog er den Ver- fasser 1777 zu einer Rezension dieser Bearbeitung sowie zu einer eigenen Bühnenfassung, welcher er, in seinen Theaterstücken von 1779, seinem Todesjahr, gleichfalls eine Vorrede voranschickte: sie bildete zusammen mit jener Rezension und seiner Mercier- Übersetzung (s.u.) schon seine ganze `Theorie.´ Alle diese Schriften samt Wagners bürgerlichem Trauerspiel Die Reue nach der Tat (1775) veranschaulichen das Neben- und Ineinan- der 1. allgemein von Aufklärung und Sturm und Drang,1 2. von ho- her und Vulgäraufklärung bei den Brüdern Lessing sowie 3. daß gerade dasjenige Sturm– und Dranggenie, das man am häufigsten „vulgär“ gescholten hat, die humanitäre Aufklärung des großen Lessing kongenial fruchtbar machte, weiterführte – und anders, als die Literaturgeschichtsschreibung es sieht. ---------- Dem jüngeren Lessing muß Die Kindermörderin bei all ihrem artisti- schen Avantgardismus doch sehr aufklärerisch vorgekommen sein. Schwerlich hätte er sie sonst bearbeitet. Manche Figuren, Motive und die ganze Handlung erinnern teils an Miß Sara Sampson, teils an Emilia Galotti; und so entlehnte er diesen Dramen seines Bruders weitere Züge für seine Bearbeitung: Gekürzt aus Lessing. Hg....

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