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Literatur und Freiheit von Lessing bis zur Gegenwart

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Bodo Heimann

Das Buch ist mehr als eine Sammlung teils bisher verstreut veröffentlichter, teils noch unveröffentlichter Aufsätze, Essays und Vorträge. Die Autoren und Texte ergänzen sich in einem vielfältigen Zusammenhang europäischer literarischer Geschichte der Neuzeit, in dessen Mittelpunkt es um die Wiederbelebung und Verwirklichung von Freiheit geht. Die Autoren verständigen sich über Jahrhunderte hinweg: Lessing in seinem lebhaften und nie abgeschlossenen Denken mit Autoren der Renaissance; Goethe mit seiner Wiederbelebung der göttlichen Pandora, für die sich im 20. Jahrhundert auch Peter Hacks begeistert; Kleist mit seinen Frauengestalten; Eichendorff mit seiner Teilnahme am Freiheitskrieg und seiner Verspottung der Restauration; Heine mit seiner Selbstbefreiung durch Ironie und Spott und seiner Sympathie für Götter und Frauen. Was die Literatur um 1800 mit dem Avantgardismus des 20. Jahrhunderts verbindet, wird deutlich; und auch, wie leicht im 20. Jahrhundert der Gewinn von Freiheit in neue Zwänge umschlagen kann.

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Progressive Universalpoesie und Avantgardismus

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Das Weiterwirken der Romantik im 20. Jahrhundert ist ein ebenso aktuelles wie problematisches Thema geblieben. Dass bereits der Begriff Romantik kontrovers behandelt wurde, liegt nicht nur an den jeweiligen Präokkupationen der Forscher, sondern auch am Gegenstand selbst. Erich Ruprecht sprach von einem „Aufbruch der romantischen Bewegung”76, und um einen Aufbruch handelte es sich bei dieser Bewegung in der Tat: Aufbruch im Sinne eines ‚Sich auf den Weg Begebens’, aber auch im Sinne eines Aufbre- chens von Schalen und Krusten, von scheinbar sicherem Boden, von harten und glatten Oberflächen und Oberflächlichkeiten. Dieser Aufbruch bedeutete auch ei- nen Bruch, eine Auflösung, Zersetzung, Annihilierung vorher gültiger Normen und Formen. Und es handelte sich um eine Bewegung, die selber in Bewegung blieb, die nicht zu einem Ende kam, nicht ein bestimmtes Ziel erreichte. Auch da, wo sie scheinbar zu neuen Normen, Formen und Begriffen gelangte, handelte es sich um Wegmarkierungen, die mehr auf den Weg als auf sich selbst verweisen. Die Begrif- fe der Romantiker sind durchaus nichts Festes, an das man sich halten kann, son- dern Momente in einem Denkprozess‚ Momente in Bewegung; Widersprüchlich- keit und Bewegung sind ihnen immanent, gegen jede Definition, Begrenzung, sträuben sie sich, was sich in der Vielfalt und Widersprüchlichkeit der Forschungs- literatur eindrucksvoll niedergeschlagen hat. Mehr als um Definitionen ging es darum, Grenzen zu überschreiten und aufzu- lösen. Selbst von ihrem eigenen Standort vermögen sich jene Dichter und Denker zu distanzieren, einen festen ‚Standort’ gibt es f...

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