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Literatur und Freiheit von Lessing bis zur Gegenwart

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Bodo Heimann

Das Buch ist mehr als eine Sammlung teils bisher verstreut veröffentlichter, teils noch unveröffentlichter Aufsätze, Essays und Vorträge. Die Autoren und Texte ergänzen sich in einem vielfältigen Zusammenhang europäischer literarischer Geschichte der Neuzeit, in dessen Mittelpunkt es um die Wiederbelebung und Verwirklichung von Freiheit geht. Die Autoren verständigen sich über Jahrhunderte hinweg: Lessing in seinem lebhaften und nie abgeschlossenen Denken mit Autoren der Renaissance; Goethe mit seiner Wiederbelebung der göttlichen Pandora, für die sich im 20. Jahrhundert auch Peter Hacks begeistert; Kleist mit seinen Frauengestalten; Eichendorff mit seiner Teilnahme am Freiheitskrieg und seiner Verspottung der Restauration; Heine mit seiner Selbstbefreiung durch Ironie und Spott und seiner Sympathie für Götter und Frauen. Was die Literatur um 1800 mit dem Avantgardismus des 20. Jahrhunderts verbindet, wird deutlich; und auch, wie leicht im 20. Jahrhundert der Gewinn von Freiheit in neue Zwänge umschlagen kann.

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Frauen in Kleists Werk

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Im November 1811 nahm sich Heinrich von Kleist gemeinsam mit Henriette Vogel am Wannsee bei Potsdam das Leben. Offenbar war er glücklich, eine Frau gefun- den zu haben, mit der er gemeinsam sterben konnte und gestaltete den gemein- schaftlichen Tod wie ein Fest. Frauen und ihre Bedeutung für Leben, Tod und Erlö- sung sind auch das Thema in Kleists Dramen und Novellen. Hier begegnen uns er- staunliche Gestalten. Josephe Eine junge Frau steht im Mittelpunkt einer unerhörten Begebenheit des Jahres 1647. Josephe, die Heldin der Novelle Das Erdbeben in Chili wurde von ihrem Vater, einem der reichsten Edelleute der Stadt in ein Kloster gezwungen, weil sie trotz väterlichen Verbots ihre Beziehung zu ihrem Hauslehrer nicht beendete. Sogar dann noch trafen sich die beiden und machten den Klostergarten zum Schauplatz ihres Glücks. Josephe bekommt ein Kind, „man brachte die junge Sünderin ... sogleich in ein Gefängnis, und kaum war sie aus den Wochen er- standen, als ihr schon, auf Befehl des Erzbischofs, der geschärfteste Prozeß ge- macht ward.“101 In der Stadt hatte man sich über den Skandal erregt, jetzt wollte man die Hin- richtung der Sünderin als gesellschaftliches Ereignis genießen: „Man vermietete in den Straßen, durch welche der Hinrichtungszug gehen sollte, die Fenster, ... und die frommen Töchter der Stadt luden ihre Freundinnen ein, um dem Schauspiele, das der göttlichen Rache gegeben wurde, an ihrer schwesterlichen Seite beizuwohnen.“102 Dies kennzeichnet den gesellschaftlichen und kirchlichen Zustand. Die Natur...

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