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Schriftsteller versus Übersetzer

Begegnungen im deutsch-rumänischen Kulturfeld

Edited By Maria Sass, Doris Sava and Stefan Sienerth

Dieser Tagungsband dokumentiert Besonderheiten der Translation literarischer Werke aus kultureller, historischer und linguistischer Perspektive. Die Übersetzungsvorschläge verdeutlichen, wie es den namhaften oder weniger bekannten Übersetzern (Wolf von Aichelburg, Ruth Herrfurth, Helene Maugsch-Drǎghiciu, Hermine Pilder-Klein, St. O. Iosif, Nora Iuga) gelungen ist, formal-stilistische oder lautliche Eigenheiten bedeutender Autoren (Lucian Blaga, George Topîrceanu, Heinrich Heine, Friedrich Schiller) bei der Übertragung zu bewahren und wertvolle literarische Zeugnisse zu vermitteln. Gelungene deutsche und rumänische Lyrik- und Prosaübertragungen, biografische Einführungen und Werkdarstellungen zeitgenössischer Gegenwartsautoren (Filip Florian, Franz Hodjak, Nora Iuga, Radu Vancu, Joachim Wittstock) aus dem rumänischen und deutschen Kulturraum runden den Band ab.

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Teil I: Über die Grenzen hinaus

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3 Formen und Funktion literarischer Übersetzung1 Jürgen Lehman (Erlangen/Freiburg) „Eine wahrhaft allgemeine Duldung wird am sichersten erreicht, wenn man das Besondere der einzelnen Menschen und Völkerschaften auf sich beruhen lässt, bei der Überzeugung jedoch festhält, dass das wahrhaft Verdienstliche sich dadurch auszeichnet, dass es der ganzen Menschheit angehört. […] Und so ist jedem Über- setzer anzusehen, dass er sich als Vermittler dieses allgemein geistigen Handels bemüht, und den Wechseltausch zu befördern sich zum Geschäft macht. Denn, was man auch von der Unzulänglichkeit des Übersetzens sagen mag, so ist und bleibt es doch eins der wichtigsten und würdigsten Geschäfte in dem allgemeinen Weltwesen.“2 Die zitierten Sätze entstammen einem Brief, den Johann Wolfgang Goethe am 20. Juli 1827 an den schottischen Philosophen Thomas Carlyle geschrieben hat. Sie formulieren Bedenkenswertes über Voraussetzungen und Funktion des literari- schen Übersetzens, das bei einer Betrachtung von Übersetzung und Übersetzungs- theorie zu berücksichtigen ist. Erstens spricht Goethe zurecht davon, dass die Übersetzungstätigkeit eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür ist, dass Literatur Gemeingut wird, dass li- terarische Werke nicht nur im engeren Bereich einer bestimmten Sprache bzw. Nationalliteratur bleiben, sondern allen an Literatur Interessierten zugänglich ge- macht werden, auch wenn sie bestimmte Sprachen nicht beherrschen. Autoren wie Dostojewskij, wie Cervantes, Ibsen oder Strindberg hätten ohne Übersetzungen sicher nur einen Bruchteil ihrer weltliterarischen Wirkung entfalten können. Zweitens spricht das Zitat den Aspekt der Vermittlung an, und zwar der ge- genseitigen Vermittlung von...

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