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Strafvollzug im SED-Staat

Das Beispiel Cottbus

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Steffen Alisch

Das Buch analysiert anhand bisher kaum erschlossenen Archivmaterials die Geschichte des Cottbuser Zentralgefängnisses von 1945 bis 1990 und behandelt darüber hinaus zentrale Aspekte des DDR-Strafvollzugs. Die meisten Insassen – vor allem politische Gefangene, insbesondere Ausreisewillige – nannten die Strafvollzugseinrichtung wegen der dort herrschenden brutalen Verhältnisse «Zuchthaus Cottbus». Mehrere Tausend von ihnen wurden von der Bundesrepublik «freigekauft» und konnten den Herrschaftsbereich der SED verlassen. Mit Hilfe einer umfassenden Auswertung der Akten der SED, des Brandenburger Justizministeriums und der DDR-«Sicherheitsorgane» sowie Zeitzeugengesprächen werden Leben und Leiden in Cottbus und darüber hinaus auch in anderen Haftanstalten der DDR dargestellt.

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4. Konsolidierung und Niedergang

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4.1. Die zweite Hälfte der fünfziger Jahre Ab Mitte der fünfziger Jahre kam es auch in den DDR-Gefängnissen zu einem „instabilen Tauwetter“ (Tobias Wunschik), das aber im Wesentlichen mit atmo- sphärischen Veränderungen verbunden war. An den grundsätzlichen Bedingun- gen im Strafvollzug änderte sich wenig. Die Gewalt gegen Häftlinge ging aller- dings spürbar zurück und erreichte das alte Niveau nie wieder.274 Ab Herbst 1953 schwankten die Gefangenzahlen sehr stark, die Fluktuation in den Gefängnissen war groß, was auch aus Amnestien und anderen vorfristigen Massenentlassungen resultierte.275 In Cottbus ging die Zahl der Häftlinge nach dem erwähnten Höhepunkt 1953 stark zurück - zwischenzeitlich bis auf knapp 600 im Dezember 1957,276 ein halbes Jahr später waren es wieder 780. 277 Auch die offizielle Belegungskapazität wurde re- duziert, von 1040 im Juni 1957278 auf nur noch 850 ein Jahr später. Dabei wurde 1958 davon ausgegangen, dass jedem Gefangenen ein „Luftraum“ von 9 Kubik- meter pro Gefangenen zustünde279, ein wesentlich geringerer Wert als in der Wei- marer Republik und selbst in der Nachkriegszeit.280 Ein überlieferter Entwurf zur Vorbereitung einer genaueren Erhebung über die Kapazität der Strafvollzugs- und Untersuchungshaftanstalten wies darauf hin, dass höchstens zweistöckige Betten als Berechnungsgrundlage zu verwenden seien, dreistöckige Betten oder zusätlich in den Räumen untergebrachte Strohsäcke oder Matratzen dürften nicht einbezo- gen werden, da sie nur eine Notlösung darstellen würden.281 In Cottbus wurden...

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