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Das Weiterleben alter Wortbedeutungen in der neueren deutschen Literatur bis gegen 1800

Zweite, überarbeitete und erweiterte Auflage- Mit einem Beitrag von Ulrich Knoop und Michael Mühlenhort

Wolfgang Beutin

Das Buch ist ein Beitrag zur Semasiologie oder historischen Lexikologie. Der Verfasser untersucht das Weiterleben historischer – nicht selten totgesagter – Wortbedeutungen in älteren Texten aus dem Zeitraum zwischen Luther und Heine. Sein vornehmlicher, wenn auch nicht einziger Gesichtspunkt ist die Möglichkeit der Erhellung dunkel gewordener Wörter durch den Rückgriff auf mittelalterliche Bedeutungsbestände. Die Arbeitsbasis bilden vorzugsweise Dichtungen aus dem 16. bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts, außerdem Abhandlungen, Essays usw. Ziel ist es, Vorarbeit für ein genaueres Textverständnis und die adäquate Textinterpretation zu leisten. Untersuchungsgegenstand ist ein Fundus von knapp 2.000 Wörtern, die alle in einem Wortregister aufgeführt sind. Der neuen Auflage stellen Ulrich Knoop und Michael Mühlenhort einen Eingangsbeitrag voran. In diesem schreiben sie, das Buch bedeute die erneute Festigung einer schon damals – d.h. 1972, zum Zeitpunkt des Erscheinens der Erstauflage – vernünftigen Positionierung im Bedeutungserklärungsdschungel.

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Die Übereinstimmung von mhd.und heute verlorener nhd. Bedeutung

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93 Die Übereinstimmung von mhd. und heute verlorener nhd. Bedeutung Ein Vorspiel: ausgestorbene Wörter Ältere nhd. Texte enthalten in nicht geringer Zahl alte Wörter, die seither unter- gegangen sind. Hier ist im Laufe der Zeit auch die Lautgestalt (das Formativ) geschwunden, – ein Phänomen, das nicht zu den spezifischen Gegenständen des Bedeutungs- forschers gehört, aber immerhin in die Semantik hineinreicht: manchmal vermag nämlich sie zu erklären, welche Ursache für das Aussterben verantwortlich war. Zudem gehören die verlorenen Wörter nicht selten Wortfamilien an, die heute noch existieren, und hier wäre die Unterscheidung zu beachten, ob das verlorene Wort von anderen Mitgliedern der Wortfamilie her erhellt werden kann oder nicht. Die frühnhd. Literatur weist vor allem an ihrem Beginn zahlreiche Wörter auf, die wir gegenwärtig als typisch mhd. empfinden und, weil sie seit Jahrhun- derten verklungen sind, gemeinhin dem Mhd. zurechnen. „Wen mag bey heller Nacht Olympe noch erbeiten“ (Gry 110), – ein im Mhd. oft gebrauchtes Verbum, welches ‘erwarten’ bedeutet. Zu den im Mhd. am häufigsten belegten Wörtern zählt jehen. Jemand hofft, „das yhr nicht thut un- warheit jehen“ (Reb 45): ’sagen’. Durch den Verlust dieses Verbums erscheint das dazu gehörende Subst. „Beichte“ (‘was man bekennt’) seit langem als unmo- tiviert. Das andere Extrem stellen Ausdrücke dar, die zu allen Zeiten selten belegt sind, vielleicht auch mhd. gar nicht und frühnhd. hie und da. Gott wird angere- det: „Dein Fuß durchdringt die ungeheuren...

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