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Fernsehen für Europa

Transnationale mediale Öffentlichkeit als kulturpolitischer Auftrag der EU

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Jan Büchel

Europa und Fernsehen – wie passt das zueinander? Die zwei Begriffe werden im Alltag üblicherweise nicht zusammen gedacht. Wenn das Projekt Europa jedoch auch zukünftig erfolgreich sein soll, werden die Bürger in Europa mehr miteinander über Europa kommunizieren müssen. Zahlreiche Politikbereiche und Institutionen in Europa und insbesondere auf den verschiedenen Ebenen der Europäischen Union zeichnen für den gegenwärtigen Status medialer Kommunikation in Europa verantwortlich. Wie könnte es gelingen, in einem Europa der nationalen Perspektiven und Interessen einen länderübergreifenden medialen Austausch über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Europas zu realisieren? Warum muss das Fernsehen dabei eine zentrale Rolle einnehmen? Und welche Faktoren sollten berücksichtigt werden, damit eine solche Kommunikation hinreichend wahrscheinlich wird? Auf solche Fragen bietet diese Untersuchung Antworten, um den Diskurs zum Fernsehen in Europa zu fundieren. Auf der beiliegenden CD finden sich Experteninterviews mit Vertreterinnen und Vertretern u.a. des Europäischen Parlaments, von Arte, 3SAT, EBU und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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3. Europa – eine Frage der Identität?

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21 „Europa hat nur dann eine Zukunft, wenn wir in der Lage sind, auf die Frage, wer wir als Europäer sind, eine kulturell tragfähige und die Menschen in Europa bewegende Antwort zu geben.“ Jörn RÜSEN (2010) In zahlreichen Reden europäischer Politiker und Dokumenten europäischer Insti- tutionen wird postuliert, dass Europa eine Seele gegeben werden müsse. Im über- tragenden Sinne ist darunter zu verstehen, dass Europa, genauer die Europäische Union, in der Wahrnehmung der Bürger mehr sein will als eine Wirtschafts- union, als ein gemeinsamer Binnenmarkt, als ein Zweckbündnis. Das ‚beseelte‘ Europa soll als eine Projektionsfläche dienen, über die sich die Bürger mit dem politischen Gemeinwesen Europäische Union, aber auch dem kulturellen Raum Europa identifizieren können. Diese Identifikation, als ein Gefühl positiver Zugehörigkeit, kann dann – so die Hoffnung von Europapoliti- kern und Forschungserkenntnis zahlreicher Theoretiker – zu etwas kumulieren, das bis dato nur in Rudimenten zu existieren scheint, aber für das weitere Gelin- gen des europäischen Integrations- und politischen Entwicklungsprozesses als von grundlegender Wichtigkeit angesehen wird – einer europäischen Identität: „Oft wird die Emotionslosigkeit der Europäerinnen und Europäer gegenüber ‚ihrem‘ Euro- pa, womit die EU gemeint ist, beklagt, sie wird als Defizit empfunden, als Ausdruck einer Seelenlosigkeit. Genau dieser Seelenlosigkeit soll mit einer Europäischen Identität abgehol- fen werden.“ (SCHMALE 2010a:7)22 Die Metapher der ‚Seele Europas‘ wurde in zahlreichen Kontexten verwendet, die gelegentlich auf die politische, überwiegend...

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