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Fernsehen für Europa

Transnationale mediale Öffentlichkeit als kulturpolitischer Auftrag der EU

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Jan Büchel

Europa und Fernsehen – wie passt das zueinander? Die zwei Begriffe werden im Alltag üblicherweise nicht zusammen gedacht. Wenn das Projekt Europa jedoch auch zukünftig erfolgreich sein soll, werden die Bürger in Europa mehr miteinander über Europa kommunizieren müssen. Zahlreiche Politikbereiche und Institutionen in Europa und insbesondere auf den verschiedenen Ebenen der Europäischen Union zeichnen für den gegenwärtigen Status medialer Kommunikation in Europa verantwortlich. Wie könnte es gelingen, in einem Europa der nationalen Perspektiven und Interessen einen länderübergreifenden medialen Austausch über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Europas zu realisieren? Warum muss das Fernsehen dabei eine zentrale Rolle einnehmen? Und welche Faktoren sollten berücksichtigt werden, damit eine solche Kommunikation hinreichend wahrscheinlich wird? Auf solche Fragen bietet diese Untersuchung Antworten, um den Diskurs zum Fernsehen in Europa zu fundieren. Auf der beiliegenden CD finden sich Experteninterviews mit Vertreterinnen und Vertretern u.a. des Europäischen Parlaments, von Arte, 3SAT, EBU und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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5. Fernsehen für Europa – Netzwerk oder Patchwork?

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„Wir schreiben das Jahr 1989. Familie Meyer sitzt vor dem Bildschirm. Wie jeden Abend um dieselbe Zeit schaltet man die europäischen Nachrichten ein. Nach den Werbespots der Parteien für die Europawahl bleiben die Meyers auf dem Europakanal (…) Das Europaprogramm kann man selbstverständlich in allen europäischen Sprachen empfangen. Das Nachtprogramm führt sich dann nur die älteste Tochter zu Gemüte: die Live-Übertragung eines Pop-Konzerts aus Mailand. Sie weiß, dass ihre Brieffreundin aus Barcelona das Konzert ebenfalls anschaut – der Stoff für die nächsten Briefe ist somit gesichert…Eine Utopie? Mitnichten.“ WEDEKIND (1983) Aus der Perspektive des Sommers 2012 muss Rudolf WEDEKIND, der 1983 das ‚Plädoyer für das Europäische Fernsehen‘ verfasste, mit diesem Szenario wider- legt werden. Ein gemeinsames Fernsehprogramm im vermeintlich geeinten Eu- ropa bleibt vielleicht keine Utopie, jedoch weiterhin eine Zukunftsvision. Es gibt zwar gesamteuropäische Sender wie EURONEWS und EUROSPORT. Ein gemein- sames, weil kollektives und zeitgleiches, Fernseherlebnis existiert für die Bürger indes weiterhin nicht. Das Interesse der Mediennutzer am Fernsehen jedoch ist ungebrochen und das wird nach Ansicht vieler Experten auch so bleiben (vgl. u.a. BÜCHEL/STRIER 2008:146, BÜCHEL/HASEBRINK 2008:78). Aller medialen Konvergenzen zum Trotz wird sich das Fernsehen auch zukünftig als ein zentrales Leitmedium be- haupten. Ebenso wenig wie das Fernsehen das Radio als Massenkommunikati- onsmittel vertrieben hat, wird das Fernsehen durch den Siegeszug des Internets absorbiert werden (vgl. auch BÜCHEL 2010:177). Im Vergleich jedoch zum Ra- dio – das...

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