Show Less

Das Kartellrecht der Sportregeln

Christian Dietz

Mit der Entscheidung in Sachen Meca-Medina und Majcen erklärte der Europäische Gerichtshof die Anwendbarkeit des europäischen Kartellrechts auf sportverbandliche Regelungen. Müssen Sportverbände nun fürchten, dass all ihre Regeln am Maßstab des Kartellrechts zu messen sind? Welche Folgen hätte es dann auf einen sportlichen Wettbewerb, sollte eine sportverbandliche Regel gemäß Art. 101 Abs. 2 AEUV nichtig sein? Aus dogmatischer Sicht stellt sich auch die Frage neu, wie der Tatbestand des Art. 101 Abs. 1 AEUV von der Freistellungsmöglichkeit des Art. 101 Abs. 3 AEUV abzugrenzen ist, denn der EuGH nahm im Verfahren eine umfassende Würdigung der Gesamtumstände bereits auf Tatbestandsebene des Kartellverbotes vor. In diesem Zusammenhang beantwortet der Autor aus Sicht der Transaktionskostentheorie auch die Frage, warum sich die einzelnen Sportler überhaupt zu einem Verband zusammenschließen.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

7. Kapitel: Die Abgrenzung zwischen Art. 101 Abs. 1 und Abs. 3 AEUV

Extract

Soweit nun eine etwaig eingetretene Wettbewerbsbeschränkung einem Sportver- band grundsätzlich überhaupt zugerechnet werden kann, stellt sich zwangsläufig die Frage, wann eine solche gegeben ist. Wann kommt die Gesamtwürdigung des EuGH zum Zuge und wann sind ihre Prüfungspunkte gegeben? Im Hinblick auf die Systematik des Art. 101 AEUV und insbesondere die Freistellungsmöglich- keit des Art. 101 Abs. 3 AEUV ist in der Sache dem Argument zuzustimmen, dass der Tatbestandsaufbau des Kartellverbotes nicht ausgehebelt werden dürfe1. Auch in Anbetracht der Beweislastregelung des Art. 2 VO 1/2003 bedarf es Unterscheidungskriterien. Im Hinblick auf den Freistellungstatbestand kommt es nicht in Betracht, alle nur irgendwie wettbewerbstangierenden Verbandsregeln bereits auf Ebene des Art. 101 Abs. 1 AEUV zu berücksichtigen2. Wie ist nun je- doch die Abgrenzung zu ziehen zwischen Regeln, die bereits auf Tatbestandsebene beachtet werden können und solchen, die erst im Rahmen der Freistellung die Nich- tigkeitsfolge des Art. 101 Abs. 2 AEUV abwenden? Diese Problematik stellt sich nicht erst seit dem Verfahren in Sachen Meca-Medina und gewinnt insbesondere durch die Beweislastverteilung auch aktuell große Bedeutung. Bereits in der Ver- gangenheit war die Fragestellung zur Abgrenzung zwischen Art. 101 Abs. 1 und Abs. 3 AEUV Gegenstand mehrerer Untersuchungen3. Hierbei wurde die zu untersuchende Handlungsweise an unterschiedlichen Kriterien gemessen, um festzustellen, ob sie im Rahmen der Gesamtwürdigung zu betrachten oder erst bei einer Freistellung heranzuziehen ist. Als entscheidende Kriterien wurden die Schwierigkeit der Würdigung4, die Erzielung allokativer oder dynamischer Inef- 1 Vgl. so zum...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.