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Vielfalt der sprachlichen Bildung

Handlungsorientierte und erfahrungsoffene Wege zur Sprachkultur

Rita Zellerhoff

Kinder erwerben Sprache im Austausch mit ihrer Umwelt auf der Basis einer einmalig menschlichen Prädisposition ganz beiläufig im sozialen Miteinander. Erwachsene besitzen ein feines Gespür dafür, wie sie ihre Kinder in dieser Erwerbsaufgabe unterstützen können. Die Elterngeneration vermittelt ihren Kindern das Weltwissen in einem sozio-kognitiven Prozess, der Sprache zu einem sehr wirksamen Mittel zur Weitergabe der Kultur macht. Für die ganz Kleinen setzen Verse, Kinderlieder und Märchen elementare sprachliche Bildungsprozesse in Gang. Dieses Buch knüpft an diesen frühen Erfahrungen an. Nach einer begrifflichen Klärung der sprachlichen Bildung werden die Kategorien Lautentwicklung, Wortschatzerwerb, Grammatik und Pragmatik aufgefächert und mit Beispielen aus dem konkreten Umgang mit Kindern veranschaulicht. Die Ausdifferenzierung von Sprache durch die Neukonstruktion des Wissens wird durch Lernprozesse aus einem breiten Fächerkanon angeregt. In erfahrungsoffenen und handlungsorientierten Lernprozessen werden Kinder befähigt, sich auch mit abstrakten Inhalten auseinanderzusetzten, wie an einem Beispiel zur Konzeptualisierung von Zeit gezeigt wird.

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4 Syntax und Morphologie – Grammatik und Formenlehre

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4.1 Grammatikentwicklung als Gegenstand gegensätzlicher wissenschaftlicher Erklärungen: Logostheorie versus Logoskritik Es gibt offensichtlich eine Kontinuität zwischen lexikalischen und grammati- schen Fähigkeiten. Ab einer kritischen Größe des kindlichen Wortschatzes von etwa 50 Wörtern beginnt die Verknüpfung von Wortschatz und Grammatik. Wie jedoch kleine Kinder die komplexe Struktur einer Sprache mit einer de- rart hohen Geschwindigkeit erwerben, hat zu der Vorstellung einer angeborenen Fähigkeit des Kindes geführt, dem Language Acquisition Device Modell (LAD). Dieses von Noam Chomsky entwickelte nativistisches Konzept zum Spracherwerb geht von der Annahme aus, dass ein erblich bedingtes Vorwissen die Kinder befä- higt, selbst aus einem inkorrekten Input eine komplette Grammatik zu entwickeln, und was sich darüber hinaus an der Fähigkeit von Kindern zeigt, aus einem Pidgin ein Kreol mit regelkonformen sprachlichen Strukturen zu erschaffen (vgl. Hansen, 1996). Kinder erwerben die Struktur einer Sprache, obwohl sie offensichtlich keine negative Evidenz bezüglich der Grammatikalität ihrer Äußerungen erhal- ten, denn wenn Erwachsene kleine Kinder korrigieren, so tun sie dies vor allem bezüglich der Inhalte und nicht wegen fehlerhafter grammatischer Strukturen. Hirnphysiologische Untersuchungen bestätigen schon Säuglingen frühe grammatische Fähigkeiten. Wie Friederici bei vier Monate alten Babys heraus- fand, erkannten diese bereits nach einer korrekten Konfrontation mit einer Viertel- stunde „Italienisch für Anfänger“, ob bestimmte Sätze, die sie in der ihnen fremden Sprache hörten, grammatisch korrekt waren. Diese rein grammatischen Fähigkei- ten wurden über Gehirnaktivitäten der S...

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