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Vielfalt der sprachlichen Bildung

Handlungsorientierte und erfahrungsoffene Wege zur Sprachkultur

Rita Zellerhoff

Kinder erwerben Sprache im Austausch mit ihrer Umwelt auf der Basis einer einmalig menschlichen Prädisposition ganz beiläufig im sozialen Miteinander. Erwachsene besitzen ein feines Gespür dafür, wie sie ihre Kinder in dieser Erwerbsaufgabe unterstützen können. Die Elterngeneration vermittelt ihren Kindern das Weltwissen in einem sozio-kognitiven Prozess, der Sprache zu einem sehr wirksamen Mittel zur Weitergabe der Kultur macht. Für die ganz Kleinen setzen Verse, Kinderlieder und Märchen elementare sprachliche Bildungsprozesse in Gang. Dieses Buch knüpft an diesen frühen Erfahrungen an. Nach einer begrifflichen Klärung der sprachlichen Bildung werden die Kategorien Lautentwicklung, Wortschatzerwerb, Grammatik und Pragmatik aufgefächert und mit Beispielen aus dem konkreten Umgang mit Kindern veranschaulicht. Die Ausdifferenzierung von Sprache durch die Neukonstruktion des Wissens wird durch Lernprozesse aus einem breiten Fächerkanon angeregt. In erfahrungsoffenen und handlungsorientierten Lernprozessen werden Kinder befähigt, sich auch mit abstrakten Inhalten auseinanderzusetzten, wie an einem Beispiel zur Konzeptualisierung von Zeit gezeigt wird.

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6 Sprache als Schrift

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6.1 Entwicklung der Schriftkultur und Schreiben lernen Die Geschichte der Schriftentwicklung weist vom Handabdruck über Bildzeichen zur Entwicklung von Schriftsystemen. Maria und Mario Montessori haben diese in den kosmischen Erzählungen für Kinder verständlich erklärt (vgl. Eckert, 2007). Die unterschiedlichen Entwicklungslinien fußen auf frühen Bilderschriften. Je nachdem, ob Morpheme, Silben oder Laute die Basis der Schriftzeichen dar- stellen, differieren die Strukturtypen der Schrift stark. Die Wortzeichen für die chinesische Sprache sind unmittelbar durch die sprachstrukturellen Besonderhei- ten dieser isolierenden Sprache bedingt. Hingegen bedarf das Japanische als flektierter Sprache einer Schrift, die aus einer Kombination von Wort- und Fle- xionszeichen besteht. Die Kanzi-Kana-Zeichen erfüllen diese Aufgabe. Die la- teinische Schrift, auf welche sich die Sprachen der Westlichen Welt beziehen, ist ein Phonemschrift, die sich aus den Hieroglyphen, über die Keilschrift der Sume- rer, die Schrift der Griechen, der Römer und Karolinger zu ihrer jetzigen Form entwickelt hat. In Synopsen lassen sich die Ähnlichkeiten mit Vorformen der Schriften noch gut erkennen. Diese Tatsache kann man für Kinder erfahrbar ma- chen, wie an dem Unterrichtsbeispiel „Von Buchen und Buchstaben“ am Bei- spiel einer Runenschrift in Kapitel 12.6 veranschaulicht werden soll. Kinder, die in eine Schriftkultur hineinwachsen, ahmen das Schreiben der Erwachsenen nach. In den frühen Schriftzeugnissen zeigen sich bereits typische Wesenszüge der sie umgebenden Schrift. Kinder unseres Kulturkreises lassen bei ihren Kritzelschriften schon häufig eine lineare Anordnung erkennen, wenn sie auch noch nicht immer von links nach rechts verläuft, sondern...

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