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Transnationale Perspektiven im 19. Jahrhundert

Studien zum Identitätsbewusstsein politisch motivierter deutscher Auswanderer in die USA

Steffen Wiegmann

Die Studie analysiert die Wechselbeziehungen zwischen kollektiver und individueller Identität von politisch motivierten Auswanderern im 19. Jahrhundert. Anhand transnationaler Perspektiven detailliert aufgearbeiteter Biografien wird der Frage nachgegangen, welche Auswirkungen die Emigration auf Einstellungen und Überzeugungen eines Menschen besitzt. Hinsichtlich dieser Fragestellung werden neue Erkenntnisse durch die Analyse sowohl kollektiver Einflussfaktoren als auch individueller Lebenswirklichkeiten gewonnen: Die politisch-gesellschaftlichen Ereignisse von drei wesentlichen Auswanderungsphasen liefern den Ereignishorizont, in dem durch ausgewählte Biografien beharrende und variable Tendenzen des Identitätsbewusstseins dokumentiert werden.

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3. Die Dreißiger und Vierziger

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3.1 Zur Situation in Deutschland und den USA vor 1848 Hinter Begriffen wie Dreißiger und Vierziger, Achtundvierziger und Achtund- siebziger stehen komplex angeordnete Gruppen von Biografien, deren Gemein- samkeit zum einen durch kollektiv erfahrene politische Ereignisse bestimmt wird und die zum anderen selbst einen Ereignishorizont prägen, welcher zu allererst einmal bestimmt sein will. Die Bezeichnungen der Gruppen beschreiben den Zei- traum ihrer Auswanderung. Die Zeit des Vormärz repräsentiert für die Entwicklung des deutschen Nationa- lismus eine wesentliche Zeitperiode. Sowohl politisch als auch kulturell entwic- kelten sich in den Jahren seit dem Ende der Befreiungskriege 1814/15 bis zum Ausbruch der Revolution 1848 wichtige Strukturen der bürgerlich-liberalen Bewe- gung, welche die maßgeblichen Träger der Idee von nationaler Einheit darstellten. 3.1.1 Die ökonomischen und gesellschaftlichen Strukturen in Deutschland zur Zeit des Vormärz Die zeitlichen Phasen des Vormärz und der Revolution 1848 bedingen sich inhalt- lich und stehen auch bezüglich der Ereignisse in einer Entwicklungslinie. Darüber hinaus entwickelte sich in dieser Epoche die für das 19. und 20. Jahrhundert prä- gende Vorstellung einer deutschen Nation, später eines spezifischen Nationals- taates. Sie wurde für das Identitätsbewusstsein maßgeblich, besaß nachhaltigen Einfluss auf die kollektive Identität der deutschen Bevölkerung und wurde Bestan- dteil des „nationalen Gedächtnisses“ und dies im Laufe der Zeit einheitlich und in Gänze bis zur realpolitisch gescheiterten Revolution von 1848. Die Ereignisse von 1848 stellen einen mentalitätsgeschichtlichen und vor allem identit...

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