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Werte und Bürgerschaftliches Engagement – Perspektiven für Familie und Religion

Eine vergleichende Studie zu familiären und religiösen Werten sozial engagierter Bürger in der Bundesrepublik Deutschland und Tschechien

Michaela Möllers

Die Globalisierung bietet Chancen, lässt aber zuweilen den Einzelnen und die Gesellschaft als Ganzes tief verunsichert zurück. Offensichtlich gibt es eine Diskrepanz zwischen innerem Werteverständnis und Alltagserleben, nicht zuletzt für die jungen Generationen. Werte müssen gelernt, gelebt und überliefert werden. Das freiwillige Engagement im sozialen Bereich könnte sich als ein solcher Träger von gelebten Werten erweisen. Die international angelegte Studie vergleicht zum ersten Mal ausführlich die Wertemuster von sozial engagierten Menschen mit denen der Durchschnittsbevölkerung. Die Autorin weist ein kulturübergreifendes Wertemuster nach und belegt empirisch, dass sich das Engagement im sozialen Bereich als ein Milieu auszeichnet, in dem echte Wertevermittlung und echter Werterhalt gefördert werden.

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3 Der Wertewandel

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Menschliche Werte sind keine stabilen und überdauernden Größen, sie befinden sich vielmehr im Zustand des permanenten Flusses.107 Eine geschichtlich beding- te Entstehungsweise und eine kulturelle Abhängigkeit liegen dieser Veränder- barkeit der Werte zugrunde. Während in traditionellen Gesellschaften Werte stabil verankert waren und als sichere Orientierungsleitlinien für das menschli- che Handeln dienten, entsteht in der westlichen Leistungsgesellschaft der Mo- derne eine relative Instabilität der Werte. Diese Instabilität begründet sich in der Offenheit der modernen Gesellschaft, welche eine rationale Überprüfung der Werte sowie deren Infragestellen gestattet, und somit zu einer zunehmenden Disponibilität der Werte beiträgt. Die Folge ist ein Verlust an kultureller Selbstverständlichkeit und allgemei- ner Gültigkeit der bisherigen Wertstrukturen.108 Diese Verschiebung der Wich- tigkeit einzelner Werte oder ganzer Wertedimensionen und die Veränderung ihrer Präferenz im Laufe der Zeit wird als „Wertewandel“ beschrieben.109 Zahl- reiche theoretische Ansätze beschäftigten sich im Laufe der letzten Jahrzehnte mit dem Phänomen des Wertewandels in westlichen Gesellschaften. Die These, welche in der Wertewandeldiskussion vorherrscht, besagt im Allgemeinen, dass im Laufe des 20. Jahrhunderts eine Veränderung der Werte, weg von den traditionellen Werten hin zu den modernen Werten, stattgefunden habe. Während die Selbstverwirklichung, die Lebensqualität und die Gleichbe- rechtigung von Mann und Frau immer mehr an Bedeutung gewinnen, verlieren die Autoritäten, das Sicherheitsbestreben, die traditionellen Bindungen und die überlieferten Institutionen zunehmend an Gewicht. Die Individualisierung wird vielfach zur Leitlinie des Wertewandels bestimmt.110 BECK zufolge werden die...

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