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John Howard und die Strafvollzugsreformen in Süddeutschland in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

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Maximiliane Friederich

Die Konzeption John Howards war bis Mitte des 19. Jahrhunderts anerkannter Maßstab für humanen Strafvollzug in Süddeutschland und bereitete den Weg für die Freiheitsstrafe in ihrer heutigen Form. Zunächst werden in dieser Arbeit Strafgerichtsbarkeit und Strafvollzug in England zum Ende des 18. Jahrhunderts erläutert. Es folgen eine ausführliche Biografie Howards und die erste systematische Gesamtdarstellung seiner Forderungen für einen menschenwürdigen Strafvollzug. Beschrieben wird, wie seine Ideen in Süddeutschland rezipiert wurden. Schließlich verschafft das Buch den ersten Gesamtüberblick über die Strafvollzugsreformen in Baden, Bayern, Hohenzollern-Hechingen, Hohenzollern-Sigmaringen und Württemberg bis etwa 1860 sowie Howards Einfluss darauf.

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Einleitung

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I. Problemstellung Die moderne Freiheitsstrafe ist, im Unterschied zu den frühen Formen der Frei- heitsentziehung, untrennbar mit dem Erziehungs- und Besserungsgedanken ver- woben, einer juristisch-pädagogischen Zielsetzung, die aus einem Säkularisie- rungs- und Rationalitätsprozess seit der Renaissance resultiert. Diese etwa drei Jahrhunderte dauernde Entwicklung, die in der Aufklärung des 18. Jahrhunderts gipfelte, kann als eine Aneinanderreihung von Veränderungen gedeutet werden. Folglich war auch der Strafvollzug in diesen Jahrhunderten von ständigen Re- formen geprägt, begründet durch das zeitgenössische Streben nach gesellschaft- lichen, kulturellen und wirtschaftlichen Neuerungen.1 Während die Renaissance noch in einer aristokratischen Gesellschaft veran- kert war, verstand sich die Aufklärung als eine Epoche, die sich durch Vernunft und Kritik von aristokratischer Willkür und Bevormundung befreien sowie den Staat und seine Repräsentanten neu legitimieren wollte. Befreiung bedeutete im 18. Jahrhundert vernunftbestimmtes Denken und Handeln aller Menschen und Verbürgerlichung von Gesellschaft, Wissenschaft und Kultur. Sie zielte auf die Souveränität des Volkes ab. Als Ideal jener Zeit galt der vernünftige und gebildete Mensch, der aufgeklärt und belesen ist, selbstständig und umsichtig sein Leben meistert sowie einen Beitrag zu Wirtschaft und Gesellschaft leistet. Verwirklicht werden konnte dieses Ideal nach damaligem Verständnis nur durch Kritik an der Gesellschaft, den geltenden Werten und Normen und insbesondere der bisherigen Denkweise. Die Aufklärung mit ihrem Programm zum allumfassenden „Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“2 wirkte mit ihren an Vernunft und Kritik orientierten Gedanken nat...

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