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John Howard und die Strafvollzugsreformen in Süddeutschland in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

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Maximiliane Friederich

Die Konzeption John Howards war bis Mitte des 19. Jahrhunderts anerkannter Maßstab für humanen Strafvollzug in Süddeutschland und bereitete den Weg für die Freiheitsstrafe in ihrer heutigen Form. Zunächst werden in dieser Arbeit Strafgerichtsbarkeit und Strafvollzug in England zum Ende des 18. Jahrhunderts erläutert. Es folgen eine ausführliche Biografie Howards und die erste systematische Gesamtdarstellung seiner Forderungen für einen menschenwürdigen Strafvollzug. Beschrieben wird, wie seine Ideen in Süddeutschland rezipiert wurden. Schließlich verschafft das Buch den ersten Gesamtüberblick über die Strafvollzugsreformen in Baden, Bayern, Hohenzollern-Hechingen, Hohenzollern-Sigmaringen und Württemberg bis etwa 1860 sowie Howards Einfluss darauf.

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Vierter Teil: Strafvollzugsreformen in Süddeutschland und John Howards Einfluss

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Seit 1532 bestand in Form der Carolina eine reichseinheitliche deutsche Regelung für Strafrecht und Strafprozessrecht. Die Carolina enthielt allerdings eine „sal- vatorische Klausel“, nach der das Partikularrecht Vorrang hatte. In den meisten deutschen Territorien galt die Carolina noch bis zum Ende des Heiligen Römi- schen Reiches Deutscher Nation 1806.941 Mit Verbrechen und Strafe befasste man sich zwar seit Mitte des 18. Jahrhunderts vermehrt; man zweifelte das alte Straf- recht an,942 aber die Gesetzgebungskompetenz bezüglich der Strafrechtspflege ging erst 1806 auf die Einzelstaaten über.943 Gerade die süddeutschen Staaten hatten im Zuge der napoleonischen Deutsch- landpolitik Territorien hinzugewonnen. Deshalb mussten sie ihr neues Staats- gebiet durch eine einheitliche Gesetzgebung zusammenfassen.944 Paul Freßle hält die Länderneugliederung in Deutschland für eine der wichtigsten Voraussetzun- gen für die anschließenden Gefängnisreformen.945 Die nach 1815 verbleibenden deutschen Gebiete wählten denselben Weg: Zunächst schufen sie ein einheit- liches Strafgesetz für den neuen Staat, meist mithilfe bekannter Strafrechts- wissenschaftler, erst später reformierten sie den Strafvollzug. Dennoch blieb das bayerische Strafgesetzbuch von 1813 über lange Zeit das einzige, denn die strafrechtliche Diskussion war noch nicht weit genug fortgeschritten, außerdem mussten zuerst die disparaten innenpolitischen Zustände geregelt werden.946 Die übrigen deutschen Einzelstaaten nutzten ihre diesbezügliche Gesetzgebungs- kompetenz erst lange nach dem Wiener Kongress. Die politischen Turbulenzen bis zu diesem Zeitpunkt, von der Französischen Revolution bis hin zu den napo- leonischen Kriegen, bewirkten, dass die Werke von John Howard zunächst kei-...

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