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Revolutionsgeschichte schreiben

Formen der Revolutionshistoriographie in Büchners «Dantons Tod» und französischer Geschichtsschreibung des 20. Jahrhunderts

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Julian Kanning

Die französische Historiographie des von Revolutionen geprägten 20. Jahrhunderts vermag in besonderer Weise neue Perspektiven auf das Revolutionsbild in Büchners Geschichtsdrama zu eröffnen. Die Diskussion über «Dantons Tod» in der Büchnerforschung wiederum spiegelt vielfach Prägungen der Interpreten durch bestimmte geschichtswissenschaftliche Revolutionsdeutungen. Diese Arbeit löst sich auf der Grundlage von Hayden Whites «Poetik der Geschichte» von der Suche nach Büchners Position(en) im Stück. Sie richtet den Fokus auf die im Text implizit wirksamen narrativen Strukturen und formalen Erklärungsmuster. Dabei versteht sich die tropologische und strukturanalytische Untersuchung als ein Beitrag zu einer gattungsübergreifenden Poetologie der Revolutionsgeschichte in der Moderne.

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2. Danton, Robespierre und Beurteilungen der Terreur in der französischen Revolutionshistoriographie des 20. Jahrhunderts

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. 2.1 Danton oder Robespierre. Ein traditioneller Topos der französischen Revolutionshistoriographie des 20. Jahrhunderts. Als die Diskussion über die Französische Revolution sich im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert in die Universitäten verlagert, verkörpern Dan- ton und Robespierre unterschiedliche Haltungen zur Revolution. Während der Inhaber der ersten Professur für die Geschichte der Französischen Revolution, Alphonse Aulard, Danton als republikanischen Helden glorifiziert, schlägt sich sein Nachfolger Albert Mathiez auf die Seite Robespierres. In Aulards Revolu- tionsdeutung stehen die Erklärung der Menschenrechte von 1789 und die Verfas- sung von 1793 im Zentrum, da diese nach dessen Ansicht die Grundlagen für die Entwicklung Frankreichs zu einer demokratischen Republik bildeten. Die Dif- ferenz zwischen den in parlamentarischen Debatten propagierten Prinzipien der Revolution und den Gewaltmaßnahmen der Schreckensherrschaft sucht Aulard zu entschuldigen, indem er auf die Bedrohung durch die Konterrevolution ver- weist. Er bemüht sich Furet zufolge um die „réconciliation posthume des hommes et des époques de la révolution“1 und erblickt vor diesem Hintergrund in Danton den Heroen, der es ihm erlaubt, den Widerspruch zwischen den Ideen der gesetz- gebenden Versammlung auf der einen und der Politik des Wohlfahrtsausschusses auf der anderen Seite zu überwinden. Aulard interpretiert die erste französische Revolution als ersten Schritt auf dem Weg zu dem ein Jahrhundert später – noch zu seinen Lebzeiten – errungenen Sieg der französischen Republikaner.2 Der Sozialist Albert Mathiez, 1908 Mitbegründer der „Société des Etudes robespierristes“, zielt im Unterschied zu...

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