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Zur Möglichkeit des unmöglichen Strafrechts

Ein Versuch über die Dissonanz im System der ultima ratio

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Frederico Figueiredo

Wie gelangen wir in einen Zustand des Strafrechts, den viele Spezialisten mit guten Gründen für unmöglich halten? Das Buch Zur Möglichkeit des unmöglichen Strafrechts beschäftigt sich mit dieser Frage und versucht auf sie anhand einer vergleichenden Analyse eine Antwort zu geben: Die Krisis des Strafrechts aus der Perspektive der sogenannten Frankfurter Schule des Strafrechts steht dabei der Kritischen Theorie gegenüber. Ausgewählte Beispiele aus der deutschen sowie der brasilianischen Geschichte, wie Sklaverei, Diktatur, Imperialismus und Nationalsozialismus, sprechen dafür, dass Wissenschaft und Barbarei oft Hand in Hand gehen können. Die üblichen Erklärungen über diesen Zustand verdeutlichen die Notwendigkeit einer radikalen Selbstkritik.

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I. Litanei oder ein Modell

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Ich war für ein Heimatsgefühl sehr empfänglich gewesen: Donauweibchen und Basiliskenhaus, Stock im Eisen und Spinnerin am Kreuz, Türkenbelagerung und unsere Frühstückskipferl, als Halbmond gebacken, um die Feinde zu verunglimp- fen, das lodernde Barock der Pestsäule und dazu die Geschichte vom lieben Au- gustin, der mit dem Dudelsack, der besoffen in die Pestgrube fiel, unter Leichen schlief und heil davonkam. Der aus dem Massengrab Gestiegene, nicht Infizierte, der Unverwüstliche, Verächtliche und Liebenswerte. (Doch hier gehe ich zu weit, das sind schon die Gedanken einer späteren Lebensepoche.) […] Der liebe Augustin der Wiener Legende erwachte in der Pestgrube, und nichts war ihm passiert. Er stolperte aus der Grube heraus, ließ sie hinter sich und dul- dete weiter, Symbol der Lebensbejahung im großen Sterben. Uns geht es anders, uns lassen sie nicht locker, die Gespenster mein ich. Wir erwarten, dass Ungelös- tes gelöst wird, wenn man nur beharrlich festhält an dem, was übrig blieb, dem Ort, den Steinen, der Asche. Ruth Klüger, weiter leben Man schrieb das Jahr 2000, als unter dem Titel Die deutsche Strafrechtswissen- schaft vor der Jahrtausendwende die Dokumentation zu einer großen Tagung erschien, die kurz zuvor in Berlin stattgefunden hatte. Dem Bericht zufolge wa- ren unter den Anwesenden in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wis- senschaften vorwiegend die Herren der deutschen Strafrechtswissenschaft. Auch wenn es sich dabei nicht ausschließlich um deutsche Professoren für Strafrecht handelte, so waren dort jedenfalls in großer...

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