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Zur Möglichkeit des unmöglichen Strafrechts

Ein Versuch über die Dissonanz im System der ultima ratio

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Frederico Figueiredo

Wie gelangen wir in einen Zustand des Strafrechts, den viele Spezialisten mit guten Gründen für unmöglich halten? Das Buch Zur Möglichkeit des unmöglichen Strafrechts beschäftigt sich mit dieser Frage und versucht auf sie anhand einer vergleichenden Analyse eine Antwort zu geben: Die Krisis des Strafrechts aus der Perspektive der sogenannten Frankfurter Schule des Strafrechts steht dabei der Kritischen Theorie gegenüber. Ausgewählte Beispiele aus der deutschen sowie der brasilianischen Geschichte, wie Sklaverei, Diktatur, Imperialismus und Nationalsozialismus, sprechen dafür, dass Wissenschaft und Barbarei oft Hand in Hand gehen können. Die üblichen Erklärungen über diesen Zustand verdeutlichen die Notwendigkeit einer radikalen Selbstkritik.

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II. Entrückung oder kein Modell

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Das traditionelle Heimweh war für uns – und ist für jedermann, der sich’s darin traurig wohl sein lässt – tröstendes Selbstmitleid. Doch war es stets unterströmt von dem Bewusstsein, dass wir es uns widerrechtlich angeeignet hatten. Wir san- gen, wenn es sich so fügte, den Antwerpenern, vom Alkohol gelöst, Heimatlieder im Dialekt vor, erzählten von heimischen Bergen und Flüssen, wischten uns ver- stohlen die Augen. Was für ein Seelenschwindel! Es waren Reisen nach Hause mit gefälschten Papieren und gestohlenen Ahnentafeln. Wir mussten mimen, was wir doch waren, aber zu sein das Recht nicht hatten, welch närrisches, spiegelfechte- risches Unterfangen! […] Dann war kein Lied mehr, keine schwärmerische Beschwörung verlorener Landschaften, kein feuchtes und zugleich zwinkernd um Komplizität bittendes Au- ge. Das echte Heimweh war nicht Selbstmitleid, sondern Selbstzerstörung. Es be- stand in der stückweisen Demontierung unserer Vergangenheit, was nicht abge- hen konnte ohne Selbstverachtung und Hass gegen das verlorene Ich. […] Was zu hassen unser dringender Wunsch und unsere soziale Pflicht war, stand plötzlich vor uns und wollte ersehnt werden: ein ganz unmöglicher, neurotischer Zustand, gegen den kein psychoanalytisches Kraut gewachsen ist. Therapie hätte nur die geschichtliche Praxis sein können, ich meine: die deutsche Revolution und mit ihr das kraftvoll sich ausdrückende Verlangen der Heimat nach unserer Wiederkehr. Aber die Revolution fand nicht statt, und unsere Wiederkehr war für die Heimat nichts als eine Verlegenheit, als schließlich die nationalsozialistische Macht...

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