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Zur Möglichkeit des unmöglichen Strafrechts

Ein Versuch über die Dissonanz im System der ultima ratio

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Frederico Figueiredo

Wie gelangen wir in einen Zustand des Strafrechts, den viele Spezialisten mit guten Gründen für unmöglich halten? Das Buch Zur Möglichkeit des unmöglichen Strafrechts beschäftigt sich mit dieser Frage und versucht auf sie anhand einer vergleichenden Analyse eine Antwort zu geben: Die Krisis des Strafrechts aus der Perspektive der sogenannten Frankfurter Schule des Strafrechts steht dabei der Kritischen Theorie gegenüber. Ausgewählte Beispiele aus der deutschen sowie der brasilianischen Geschichte, wie Sklaverei, Diktatur, Imperialismus und Nationalsozialismus, sprechen dafür, dass Wissenschaft und Barbarei oft Hand in Hand gehen können. Die üblichen Erklärungen über diesen Zustand verdeutlichen die Notwendigkeit einer radikalen Selbstkritik.

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Alles könnte leichter getragen werden, wenn meine Verbundenheit mit den ande- ren Juden sich nicht erschöpfte in revoltierender Solidarität, wenn der Zwang sich nicht ständig stieße an der Unmöglichkeit. Ich weiß es nur allzu gut. Ich saß ne- ben einem jüdischen Freund bei der Aufführung von Arnold Schönbergs »Ein Überlebender aus Warschau«: Als, von Posaunenklängen begleitet, der Chor an- stimmte »Sch’ma Israel«, wurde mein Begleiter kalkbleich, und Schweißperlen traten auf seine Stirn. Mein Herz pochte nicht schneller, aber ich fühlte mich be- dürftiger als der Kamerad, den das unter Posaunenstößen gesungene Judengebet erschüttert hatte. Jude sein, dachte ich mir nachher, ich kann es nicht in Ergrif- fenheit, nur in Angst und Zorn, wenn Angst sich, um Würde zu erlangen, in Zorn verwandelt. »Höre Israel« geht mich nichts an. Nur ein »Höre Welt« möchte zor- nig aus mir dringen. So fordert es das Katastrophengefühl, Dominante meiner Existenz. Jean Améry, Jenseits von Schuld & Sühne Am Ende dieser Arbeit liegt der Eindruck des Scheiterns sehr nah, zumindest was die Formulierung eines wenn schon nicht gänzlich vernünftigen so doch zumindest möglichen Strafrechts betrifft. Die Einbeziehung der sogenannten Opferliteratur in Kernfragen des Strafrechts wurde mehr oder weniger explizit durchgeführt, um einige grundlegende Standpunkte der herrschenden Meinung in der deutschen und brasilianischen Strafrechtswissenschaften mit der klaren Absicht einer Überprüfung jenseits ihrer bloß internen Konsistenz darzustellen. Das kaum vermeidbar Provokative...

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