Show Less

Martyrium

Variationen und Potenziale eines Diskurses im Zweiten Jahrhundert

Series:

Nicole Hartmann

Ausgehend von der Annahme einer stark ausdifferenzierten Jesus-Bewegung bietet diese Studie eine dekonstruktive Lektüre von Texten aus dem zweiten Jahrhundert, in denen Hinrichtungen von Jesus-Anhängern als Martyrium überhöht werden. Sie konzentriert sich dabei auf die Aushandlungsprozesse christlicher Identität: in der Zuschreibung von Märtyrerautorität oder im Ausloten der Grenzen für eine Vorstellung von Märtyrern als Opfern – heilswirksames Selbstopfer versus Opfer der barbarischen Gegner. Der durch die Gewalterfahrung und in Auseinandersetzung mit innerchristlichen Widersachern gefärbte Gegnerdiskurs und die Affirmation der Bezeichnung Christiani bezeugen die (Selbst-)Konzeptualisierung der Autoren, ersten Leser und Hörer dieser Texte innerhalb des proto-orthodoxen Christentums.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

3. Polykarp von Smyrna – vom jungen episkopos zum alten „Märtyrer“

Extract

3.1. Wer war Polykarp von smyrna? – drei antworten „Polykarp von smyrna“ ist vor allem durch den beeindruckenden bericht von seinem Tod im Gedächtnis der christlichen Geschichte verankert, doch begegnen wir ihm nicht nur im Martyrium Polycarpi, sondern bereits als Hö- rer, unterstützer und adressaten von ignatius, sowie als Verfasser eines briefes an die „Kirche Gottes“ in Philippi. ist es möglich, über die Gemein- samkeit des namens hinaus eine idee von „Polykarp“ zu gewinnen? im Grunde handelt es sich ja um drei literarische Personen, zwischen denen es keine unmittelbare Kohärenz gibt. diese kann für die reale Existenz des mannes Polykarp nur (re-)konstruiert werden und stützt sich vor allem auf das Zeugnis von irenäus von Lyon und ihn ergänzende informationen, die bei Eusebius von Caesarea überliefert sind.286 3.1.1. Polykarp in den briefen des ignatius Jeweils am Ende seiner in smyrna verfassten briefe an die Gemeinden von Ephesus und magnesia empfiehlt ignatius Polykarp, für den er „voller Lie- be ist“ (ignEph 21.1) und der ihn als episkopos der smyrnäer „erquickt“ hat (ignmagn 15). Vermutlich hat Polykarp dafür gesorgt, dass der gefangene ignatius mit Jesus-anhängern aus Ephesus, magnesia und Tralles zusam- mentreffen und ihnen anschließend briefe schreiben konnte und dass diese ihnen später übermittelt wurden. in seinem direkt an Polykarp gerichteten brief spricht ignatius ihn als episkopos an und legt – im wohlmeinenden Ton der Ratschläge eines Älteren an den Jüngeren – dar, welche aufgaben er zu erf...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.