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Contending Forces

Romantraditionen amerikanischer Schriftstellerinnen, 1850-1900

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Sabina Matter-Seibel

Die Untersuchung zeigt eine kontinuierliche Entwicklung von Traditionslinien weiblichen Schreibens in den USA von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Ära der New Woman auf. Diese Übergangsphase ist von Contending Forces bestimmt: Die Autorinnen bewegen sich in einem Spektrum zwischen subversiver Nutzung des weiblichen Literaturkonstrukts der Domestic Novel für proto-feministische Zwecke und Protest gegen die bestehenden Beschränkungen sowie Abkehr von herrschenden kulturellen und literarischen Werten und Mustern. Die Analyse der 17 behandelten Werke verdeutlicht die verschiedenen Formen der Loslösung von der Ideologie der Separate Spheres, bei der Identitätsbildungen aufgrund von Gender, Class und Race aufgebrochen werden. Die Ermächtigung, die Frauen aus dem moralisch überhöhten Bild der True Woman ableiten, zeigt sich vor allem in der weiblichen Reformliteratur, im fürsprechenden Schreiben für Unterschicht und ethnische Gruppen. Schwarze Autorinnen nutzen das weibliche Literaturkonstrukt, um für die afroamerikanische Emanzipation zu kämpfen, das Format konterkariert jedoch die politischen Ziele der Werke. Zu Ende dieser Herstory weiblichen Literaturschaffens befreien sich die Autorinnen von den Restriktionen der Frauenliteratur, verzichten aber damit auch auf ihre reformerische Autorität.

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3 Arbeit, Arbeiterin und Sozialreformerin: Literarische Reflexion wirtschaftlichen Wandels

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Das 19. Jahrhundert ist geprägt von einer umfassenden Änderung der Arbeits- und Lebenswelt der amerikanischen Bevölkerung. Die Industrialisierung und die damit einhergehende Urbanisierung betrafen Männer und Frauen aller Bevölke- rungsschichten und ethnischen Gruppen gleichermaßen, aber dennoch auf unter- schiedliche Weise. Die von demographischen Veränderungen, Wandlungen der materiellen Umwelt und dem Gefühl eines umfassenden Werteverfalls hervorge- rufene Unsicherheit fand einen wesentlichen Katalysator in der immer wieder neu zu verhandelnden Rolle der Frau. Der Themenkomplex Frau und Arbeit beherrschte lange Zeit die Diskussion. Fragen zur biologischen Arbeitsfähigkeit der Frau, zu moralischen Implikationen von Frauenarbeit und zur Auswirkung auf Familienstrukturen und Gesellschaftsorganisation wurden in Zeitungen und Zeitschriften, Romanen und Kurzgeschichten, behördlichen Berichten und rich- terlichen Urteilsbegründungen ausführlich besprochen. Je nachdem, ob Frauen im Haus oder außerhalb arbeiteten, ob sie Kinder hatten oder nicht, ob sie in einer befristeten Spanne zwischen Jugend und Ehe oder ihr ganzes Leben lang in einem Erwerbsverhältnis standen, ob sie zum Familieneinkommen beitrugen oder für die Erfüllung eigener Wünsche arbeiteten und in welchem Beruf sie tätig waren, wurden sie von der Gesellschaft unterschiedlich beurteilt. Die unmoralische und nur auf Vergnügen bedachte Fabrikarbeiterin, die arme ausgebeutete Näherin und das freche Dienstmädchen sind die geläufigsten Darstellungen im Amerika des 19. Jahrhunderts. Die Ausbildung von Schichten in der ideell auf eine Demokratie ohne Klassenbewusstsein angelegten amerika- nischen Gesellschaft führte zu einer Konfrontation des mill girl, der prototy- pischen Arbeiterin, und...

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