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«Neuer» Ernst in der Literatur?

Schreibpraktiken in deutschsprachigen Romanen der Gegenwart

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Edited By Kristin Eichhorn

Überall liest man in den letzten Jahren, in der deutschen Gegenwartsliteratur sei nach der bloß spielerischen Postmoderne nun ein neuer Ernst zu verzeichnen. Der Band stellt in Einzelanalysen die Frage, wie es sich tatsächlich mit diesem Phänomen verhält. In drei Sektionen wird eine differenzierte Sichtweise empfohlen. Nach wie vor gibt es Autoren, die den konstatierten Trend zu mehr Ernsthaftigkeit nicht mitmachen. Gleichzeitig haben die vermeintlich neuen Formen eines am Inhalt interessierten Schreibens ihre Wurzeln bereits in den 1990er Jahren. Die Forderung nach Ernsthaftigkeit ist für die aktuell tätigen Autoren hingegen als Diskursfolie von Bedeutung, mit der sie sich – affirmativ oder kritisch – auseinandersetzen müssen, um sich im literarischen Feld zu positionieren.

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Sektion I: Gegen den Ernst. Autoren und Literaturkritik

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Experimentierfreude und „Spieltrieb“. Thomas Glavinics Kriminalroman Lisa Birgitta Krumrey Das Bild des Autors in der Öffentlichkeit und seine Positionierung im kulturellen Feld nehmen im Literaturbetrieb der Gegenwart einen immer größeren Stellenwert ein. Autoren nutzen vielfach verschiedene Inszenierungsstrategien und Distribu- tionswege, um sich im umkämpften Literaturmarkt gegenüber anderen Autoren abzusetzen.1 Ingo Irsigler weist darauf hin, dass „in allen relevanten gesellschaft- lichen Feldern“ eine Personalisierungsstrategie erkennbar ist, die „auch im Lite- raturbetrieb […] angesichts der sich immer weiter verknappenden ‚Ressource‘ Aufmerksamkeit beständig an Bedeutung gewonnen“ hat.2 Die mit dem Autornamen verbundenen Vorstellungen über den Verfasser tragen maßgeblich zur Positionierung des Autors im kulturellen Feld, zur Vermarktung sowie der Rezeption seiner Texte bei.3 Dirk Niefanger hat unlängst konstatiert, dass dem Autornamen über eine fonction classificatoire (Michel Foucault) hinaus auch eine „rechtliche und ökonomische Funktion“4 im Sinne eines ‚Labels‘ zukommt. Welchen Einfluss die an einen Autornamen geknüpften Vorstellungen über den Verfasser für die Rezeption der Texte haben können, sodass Bücher sogar „ihren Wert verlieren, wenn sich das Wissen um den Autor verändert“,5 hat eindrücklich der Fall von Binjamin Wilkomirski vorgeführt.6 1 Zu schriftstellerischen Inszenierungspraktiken siehe näher: Christoph Jürgensen/Gerhard Kaiser (Hgg.): Schriftstellerische Inszenierungspraktiken – Typologie und Geschichte. Hei- delberg 2011 sowie Christine Künzel/Jörg Schönert (Hgg.): Autorinszenierungen. Autor- schaft als literarisches Werk im Kontext der Medien. Würzburg 2007. 2 Ingo Irsigler: „Ein Meister des Versteckspiels“. Schriftstellerische Inszenierung bei Walter Moers. In: Walter Moers‘ Zamonien-Romane. Vermessungen eines fiktionalen...

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