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Raumentwürfe – Studien zu Gedichten Ingeborg Bachmanns

Cettina Rapisarda

Dieses Buch rekonstruiert in Detailinterpretationen Raumbilder in ausgewählten Gedichten Ingeborg Bachmanns. Die Gedichte stammen aus unterschiedlichen Werkphasen sowie aus dem Nachlass und werden unter Berücksichtigung der jeweiligen poetologischen Standortbestimmungen der Autorin analysiert. Zu den auffälligen Konstanten ihres lyrischen Werks gehören Raumbilder wie Grenze, Brücke, Wand und Wasseroberfläche ebenso wie die Bewegungsformen des Gehens, Schwankens und Fliegens, in denen Raum erfahren wird. Sie rekurrieren auf zahlreiche intertextuelle, kulturgeschichtliche und intermediale Bezüge, insbesondere zu Filmen.

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II. Schwarzer Walzer – Bachmanns Venedig-Gedicht

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Das Gedicht Schwarzer Walzer scheint in seinem Bezug auf einen realen Ort keine Rätsel aufzugeben, denn in jeder Hinsicht ist in ihm Venedig, die Lagu- nenstadt und die ‚Musikstadt‘, zu erkennen. Aber Bachmann legt in der vierten Frankfurter Vorlesung mit dem Hinweis, dass gerade Venedig zu einem der wichtigsten Reiseziele poetischer Imagination gehört, eine für die Interpretation wichtige Spur. Dort stellt sie den „Zauberatlas“ der Literatur vor und erklärt: „[…] Orte gibt es drauf, manche viele Male, wohl hundertmal Venedig, aber immer ein anderes, das von Goldoni und von Nietzsche, eines von Hofmanns- thal und eines von Thomas Mann […].“45 Bachmann selbst hat sich in ihrem Venediggedicht, das 1955 erstmals publi- ziert und 1956 in Die Anrufung des großen Bären aufgenommen wurde,46 auf mehrere berühmte Venedigdarstellungen in der Literatur und in anderen Künsten intertextuell bezogen, wie von der Forschung genauer untersucht wor- den ist. Schon aufgrund dieser Rekurse ist Bachmanns vielschichtiger Text auch als ein Gedicht über die Künste zu verstehen. Allerdings sind im Gedicht nicht nur bedeutende Künstler aufgerufen, sondern, darauf hat Mathias Meyer in sei- ner Interpretation aufmerksam gemacht, zugleich auch triviale Stadt-Klischees eingegangen, die Venedig geradezu inflationär auf sich gezogen hat.47 Solche konträren Rekurse verdichten sich in Schwarzer Walzer. Das Gedicht basiert kompositorisch auch in anderer Hinsicht auf dem Prinzip kontrastiver Darstel- lungen, insbesondere der divergierenden Stadtwahrnehmung bei Tageslicht und während der Nacht. Schwarzer Walzer Das Ruder setzt auf den Gong mit dem schwarzen...

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