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Kritischer Rationalismus heute

Zur Aktualität der Philosophie Karl Poppers

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Edited By Reinhard Neck and Harald Stelzer

Dieses Buch beleuchtet die Aktualität der Philosophie Karl Poppers, des Kritischen Rationalismus, aus dem Gesichtspunkt verschiedener Disziplinen. Den Schwerpunkt bilden Weiterentwicklungen von Fragestellungen der Wissenschafts- und Erkenntnistheorie und der politischen und Sozialphilosophie, denen sich Popper vorwiegend widmete. Darüber hinaus nimmt auch die Ethik einen wichtigen Platz ein, weil Poppers Denken normativ geprägt und von starken moralischen Impulsen geleitet war. Anwendungen beinhalten unter anderem Überlegungen zur Entscheidungstheorie, zur Religionskritik und zu den Grundlagen einer offenen Gesellschaft als politisches Gegenkonzept zu Totalitarismus und Fundamentalismus.

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Kapitel 8: Kritisch-Rationale Ethik und Moral als Problemlösung (Hans-Joachim Niemann)

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Kapitel 8 Kritisch-Rationale Ethik und Moral als Problemlösung Hans-Joachim Niemann 8.1 Zur Aktualität der Kritisch-Rationalen Ethik „In diesem Symposium soll anhand von Beispielen die Aktualität des Kritischen Rationalismus in unserer Zeit illustriert werden“, heißt es in der Ankündigung zu dieser Tagung. Ein Beispiel, das noch viel zu wenig bekannt ist, ist die schon lan- ge existierende Kritisch-Rationale Ethik. Sie hätte längst die vorherrschende tradi- tionelle Begriffsphilosophie in Ethik, Moral und Rechtswesen verdrängen können. Warum hat sie sich bisher nicht durchgesetzt? Wie funktioniert sie? Und wie ist „Moral als Problemlösung“ zu verstehen? Darauf möchte ich in meinem Vortrag eingehen1. Die Kritisch-Rationale Ethik hat bisher wenig Anklang gefunden. Unbeirrt folgen auch heute noch Philosophen, Ethiker, Ethikkommissionen und Rechtsphiloso- phen der alten Begriffsphilosophie beziehungsweise Begriffsjurisprudenz2. Mit der dort geltenden Scheinlogik leiten sie beispielsweise aus der Menschenwürde der Opfer ab, dass man in bestimmten Fällen Terroristen foltern dürfe, während ihre Kollegen aus der Menschenwürde des Terroristen genau das Gegenteil dedu- zieren, nämlich, dass Foltern in keinem Fall in Frage komme. Im einschlägigen Kommentar zum Grundgesetz, Artikel 1, werden zum Stichwort „Menschenwürde“ auf zirka hundert Seiten an die sechshundert Arbeiten referiert. Der Staatsrechtslehrer und Rechtsphilosoph Horst Dreier illustriert hier, wie Phi- losophen und Rechtsgelehrte mit viel Fantasie unglaublich viele verschiedene, zum Teil einander widersprechende, immer aber politisch sehr brisante Erkennt- nisse aus dem Begriff der „Menschenwürde“ zu ziehen in der Lage sind. Da geht es...

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