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Gagarin als Archivkörper und Erinnerungsfigur

Edited By Matthias Schwartz, Kevin Anding and Holt Meyer

Als erster Mensch im Weltraum umkreiste der sowjetische Luftwaffenoffizier Jurij Gagarin am 12. April 1961 in seinem Raumschiff Vostok die Erde. Mehr als 50 Jahre nach dem Ereignis und lange nach Ende des Kalten Kriegs genießt Gagarin weiterhin Aktualität. Der Körper des Kosmonauten lebt als eine grenzüberschreitende Erinnerungsfigur nahezu ungebrochen fort. Das Archiv seiner medialen Repräsentationen als Gast aus der Zukunft und Zeuge einer besseren Welt, als ewig lächelndes Kindheitsidol und zu früh verstorbener Himmelssohn, als russischer Recke und christlicher Heiliger ist genauso unerschöpflich wie ungeordnet. Die Aufsätze und Gespräche in diesem Buch wollen die seit über einem halben Jahrhundert automatisierten Wahrnehmungsmuster und Erzählverfahren über Gagarin als Archivkörper und Erinnerungsfigur kritisch reflektieren und damit einen Beitrag dazu leisten, das Reden und Denken über Gagarin wieder für kulturwissenschaftliche Debatten und künstlerische Interventionen zu Erinnerungskulturen und Gedächtnismedien, Archäologien des Archivs und Epistemologien des Erinnerns zu öffnen.

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Vom Fakt zur Fiktion - Medialisierungsstrategien im Diskurs des ersten KosmosheldenKevin Anding

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Vom Fakt zur Fiktion Medialisierungsstrategien im Diskurs des ersten Kosmoshelden Kevin Anding „Stan’te Gagarinym! Bud’te gerojami“ („( ! )( !“, dt. „Werdet Gagarin! Seid Helden!“) – Unter diesem Motto eröffne- te das Kino Krokodil im Jubiläumsjahr des ersten Raumfluges 2011 die Filmrei- he zu Ehren Jurij Gagarins in Berlin. Was bei diesem Motto mitschwingt, bildet eine der zentralen literarischen Funktionen Jurij Gagarins mit Blick auf zeitge- nössische Literatur über den Kosmoshelden. In diesen Texten changiert seine Symbolik zwischen Fortschritt und Wissenschaftlichkeit sowie Brüderlichkeit und Frieden. Diese Konnotationen sind Ergebnis der medialen Repräsentation Gagarins, wie sie zwischen den Jahren 1961 bis 1980 verfolgt werden kann. Ziel dieses Beitrags ist es, einzelne Elemente dieser Repräsentationsstrategie herauszugreifen und sie in den literarischen Funktionskomplex des Kosmoshel- den einzuordnen. Dabei folgt die Untersuchung der Arbeitsthese, dass der grundsätzlich freie Umgang mit Aussagen in Gagarin-Texten den Schwerpunkt der Textrezeption von der Faktizität autobiographischen Schreibens hin zur Fik- tionalität biographischer Textproduktion verschiebt. Hierbei stehen sich narrati- ve Elemente der literarischen Beschreibung Gagarins sowie Fotografien als zwei Bestandteile der sowjetischen Kosmonautenrepräsentation gegenüber. Anhand beider Aspekte soll exemplarisch gezeigt werden, wie in der UdSSR und der DDR mit Hilfe von Text und Fotografie die Diskursivierung des ersten Men- schen im Weltall vollzogen, gleichzeitig Bedeutungen generiert und gezielt In- halte transportiert wurden. 106 Kevin Anding Gagarin-Narrationen zwischen Fakt und Fiktion Erwin Bekier liefert ein Beispiel für Medialisierungsmechanismen in der DDR – der westlichen Peripherie der sozialistischen Weltregion. In seinem Kinderbuch heißt es: Erst...

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