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Gagarin als Archivkörper und Erinnerungsfigur

Edited By Matthias Schwartz, Kevin Anding and Holt Meyer

Als erster Mensch im Weltraum umkreiste der sowjetische Luftwaffenoffizier Jurij Gagarin am 12. April 1961 in seinem Raumschiff Vostok die Erde. Mehr als 50 Jahre nach dem Ereignis und lange nach Ende des Kalten Kriegs genießt Gagarin weiterhin Aktualität. Der Körper des Kosmonauten lebt als eine grenzüberschreitende Erinnerungsfigur nahezu ungebrochen fort. Das Archiv seiner medialen Repräsentationen als Gast aus der Zukunft und Zeuge einer besseren Welt, als ewig lächelndes Kindheitsidol und zu früh verstorbener Himmelssohn, als russischer Recke und christlicher Heiliger ist genauso unerschöpflich wie ungeordnet. Die Aufsätze und Gespräche in diesem Buch wollen die seit über einem halben Jahrhundert automatisierten Wahrnehmungsmuster und Erzählverfahren über Gagarin als Archivkörper und Erinnerungsfigur kritisch reflektieren und damit einen Beitrag dazu leisten, das Reden und Denken über Gagarin wieder für kulturwissenschaftliche Debatten und künstlerische Interventionen zu Erinnerungskulturen und Gedächtnismedien, Archäologien des Archivs und Epistemologien des Erinnerns zu öffnen.

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Uns wollte man dahin zurückschicken,woher wir kamen. Interview mit Valentina Ponomareva Moskau August 2010 - Francis Hunger

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Uns wollte man dahin zurückschicken, woher wir kamen Interview mit Valentina Ponomarva Moskau August 2010 Francis Hunger Valentina Ponomarva (geb. 1933) gehört zu einer Gruppe von Frauen, die im Frühjahr 1962 zum Kosmonautentraining zusammengestellt wurde, um im Rahmen des sowjetischen Raumfahrtprogramms die erste Frau ins Weltall zu schicken. Letztlich war es ihre Kollegin Valentina Tereškova, die 1963 in den Weltraum flog. Den anderen Mitgliedern der Gruppe blieb die Reise ins All verwehrt, obwohl vollständig nach damaligen Standards als Kosmonautinnen ausgebildet. Francis Hunger reiste im Sommer 2010 nach Moskau und inter- viewte Valentina Ponomarva in ihrer Wohnung im Stadtteil Ljubercy. Francis Hunger: Wie würden Sie das Verhältnis von Frauen und Männern und Technologieentwicklung in der Sowjetunion beschreiben? Valentina Ponomar&va: Natürlich arbeiteten im Bereich der Technik und auch an deren Entwicklung schon immer mehr Männer. Wie sich das inzwischen ver- hält, weiß ich nicht. Heute hat sich vieles verändert und vermischt, damit habe ich schon lange nichts mehr zu tun. Damals zum Beispiel [ab Mitte der 1950er, F.H.] studierte ich am Institut für Luftfahrt in der Fakultät für Triebwerke. Da- mals begann gerade die Nutzung düsengetriebener Triebwerke. Unsere Fakultät sah so aus: Zweihundert Menschen studierten dort, davon waren zwanzig Frauen – das war das Verhältnis. In unserer Arbeitsgruppe war ich für gewöhnlich die 154 Francis Hunger einzige Frau, denn als ich am Institut begann, wurde gerade eine neue Speziali- sierung eingeführt,...

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