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Gagarin als Archivkörper und Erinnerungsfigur

Edited By Matthias Schwartz, Kevin Anding and Holt Meyer

Als erster Mensch im Weltraum umkreiste der sowjetische Luftwaffenoffizier Jurij Gagarin am 12. April 1961 in seinem Raumschiff Vostok die Erde. Mehr als 50 Jahre nach dem Ereignis und lange nach Ende des Kalten Kriegs genießt Gagarin weiterhin Aktualität. Der Körper des Kosmonauten lebt als eine grenzüberschreitende Erinnerungsfigur nahezu ungebrochen fort. Das Archiv seiner medialen Repräsentationen als Gast aus der Zukunft und Zeuge einer besseren Welt, als ewig lächelndes Kindheitsidol und zu früh verstorbener Himmelssohn, als russischer Recke und christlicher Heiliger ist genauso unerschöpflich wie ungeordnet. Die Aufsätze und Gespräche in diesem Buch wollen die seit über einem halben Jahrhundert automatisierten Wahrnehmungsmuster und Erzählverfahren über Gagarin als Archivkörper und Erinnerungsfigur kritisch reflektieren und damit einen Beitrag dazu leisten, das Reden und Denken über Gagarin wieder für kulturwissenschaftliche Debatten und künstlerische Interventionen zu Erinnerungskulturen und Gedächtnismedien, Archäologien des Archivs und Epistemologien des Erinnerns zu öffnen.

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Das Jubiläumsjahr 2011 und seine Folgen in Russland, Indien, England und anderenorts. Das Chaos des Archivs zwischen Offizialität undMedialität - Kevin Anding und Holt Meyer

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Das Jubiläumsjahr 2011 und seine Folgen in Russland, Indien, England und anderenorts Das Chaos des Archivs zwischen Offizialität und Medialität Kevin Anding und Holt Meyer Die Ratlosigkeit um die Archivierung Gagarins hat sich in der weltweiten Mar- kierung des 50. Jahrestags im April 2011 bemerkbar gemacht. Das Problem beginnt damit, dass das Markieren eines sowjetischen Jubilä- ums fast zwei Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch der UdSSR ein höchst am- bivalenter Akt ist, auch wenn in der Putin-Ära möglichst viel Kontinuität zu die- ser Epoche unterstrichen wird (zum Beispiel durch die neuerliche Verleihung des Ordens „Held der Arbeit“ im Mai 2013). Auch wenn man Jurij Gagarin nachträglich zum Bürger der Russischen Föderation macht, da er in gewissem Sinne „Bürger“ der „Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik“ war, und auch wenn die Russische Föderation Rechtsnachfolger der UdSSR ist (etwa durch die Nachfolge des Sitzes im Sicherheitsrat der UNO), bleibt das ‚Gagarin-Archiv’, auf das sämtliche Jubiläumsfeiern zurückgehen, das Archiv eines anderen Staates. Allen Beteuerungen zum Trotz: Russland ist nicht die „Russischen Sozialis- tischen Föderativen Sowjetrepublik“, ohne Hammer und Sichel im Wappen und auf der Fahne (allerdings mit Millionen von Hämmern und Sicheln auf öffentli- chen Gebäuden). So liegt Gagarins Flug jenseits eines sehr bedeutenden histori- schen Einschnitts. Dies ist umso mehr der Fall, wenn das Ereignis vom 12. April 1961 als Bestandteil des Wettbewerbs zwischen den „Supermächten“ USA und Abb. 1 und 2: Fotos vom...

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