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Die Mehrlingsreduktion aus strafrechtlicher Sicht

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Katharina Hermannstaller

Die Arbeit untersucht die Strafbarkeit des partiellen Schwangerschaftsabbruchs bei Mehrlingsschwangerschaften (sog. Mehrlingsreduktion). Die Subsumtion der Mehrlingsreduktion unter die strafrechtlichen Regelungen der §§ 218 ff. StGB begegnet rechtlichen Schwierigkeiten. Probleme stellen sich bereits auf Ebene des objektiven und subjektiven Tatbestandes. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Rechtfertigungsmöglichkeit des Eingriffs. In verschiedenen Fallgestaltungen ist die medizinisch-soziale Indikation des § 218a Abs. 2 StGB einschlägig. Nach Auffassung der Autorin kommt im Einzelfall auch eine Rechtfertigung über den allgemeinen rechtfertigenden Notstand gemäß § 34 StGB in Betracht. Die Arbeit schließt mit Überlegungen zur Regelung der Mehrlingsreduktion de lege ferenda.

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Teil 2. Mehrlingsschwangerschaften aus medizinischer Sicht

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A. Entstehung und Ha¨ufigkeit von Mehrlingsschwangerschaften I. Begriff der Mehrlingsschwangerschaft Als Mehrlinge bezeichnet man zwei oder mehr Kinder, die innerhalb derselben Schwan- gerschaft heranwachsen und in der Regel im Verlauf desselben Geburtsvorgangs zur Welt kommen19. Meist wird der Begriff nur verwendet, wenn nicht der Spezialfall ei- ner Zwillingsschwangerschaft gegeben ist. Ab dem Vorhandensein von drei oder mehr Feten20 spricht man von einer ho¨hergradigen Mehrlingsschwangerschaft21. Spektakula¨re Fa¨lle wie ju¨ngst der einer Achtlingsmutter aus den USA22 gehen durch die Presse und rufen sowohl Bewunderung fu¨r die heutigen medizinischen Mo¨glichkei- ten als auch - bei na¨herem Hinsehen - Entsetzen23 u¨ber die Verantwortungslosigkeit der Beteiligten24 hervor. Ho¨hergradige Mehrlingsschwangerschaften sind jedoch kein aus- schließliches Pha¨nomen des Auslands; so sind in Deutschland 2008 in der 28. Schwan- gerschaftswoche Sechslinge entbunden worden25. Laut Statistischem Bundesamt han- delt es sich um die erste Sechslingsgeburt in Deutschland seit dem Jahr 1988; insge- 19 Stauber/Weyerstahl, Gyna¨kologie und Geburtshilfe, S. 639. 20 Einen einheitlichen, zusammenfassenden Begriff fu¨r das Stadium des werdenden Menschen zwi- schen Befruchtung der weiblichen Eizelle und Geburt gibt es genau genommen nicht, vgl. Maurach/ Schroeder/Maiwald, Strafrecht BT I, § 5 Rn. 1. Bis zur vollendeten 8. Schwangerschaftswoche spricht man gemeinhin vom Embryo, danach vom Fo¨tus bzw. Fetus. Im fru¨heren § 218 StGB wurde der Ausdruck der ”Leibesfrucht“ verwandt. Im Folgenden ist, wenn von Embryo oder Fetus gesprochen wird, jeweils das ungeborene Leben umfassend gemeint. Zu den begrifflichen Schwierigkeiten vgl. auch Hu¨lsmann,...

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