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Die «Gläserne Decke»: Fakt oder Fiktion?

Eine literarische Spurensuche in deutschsprachigen Werken von Autorinnen

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Edited By Dolors Sabaté Planes and Marion Schulz

Die Metapher Gläserne Decke steht für Hindernisse, mit denen Frauen konfrontiert sind, wenn sie in ökonomischen wie alltäglichen Bereichen in klassische Männerdomänen einzudringen suchen, etwa Anspruch auf Führungspositionen erheben. Vor rund dreißig Jahren fassten Soziologen in den USA dieses Phänomen im wirtschaftlichen Bereich als glass ceiling. Die in diesem Band zusammengestellten Analysen literarischer Texte zeigen, wie das Phänomen der Gläsernen Decke das Alltagsleben von Frauen vom 18. bis ins 21. Jahrhundert auf differenzierte, häufig unterschwellige und erschreckend selbstverständliche Weise bestimmt. Gleichzeitig schaffen sich die untersuchten Autorinnen mit ihren autobiografischen Texten, Romanen, lyrischen und dramatischen Werken Freiräume und brechen tradierte Grenzen auf.

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Die Gläserne Decke in der Literatur? Vorwort

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Mit „gläserne Decke“ wird eine uneingestandene Barriere bezeichnet, die Frauen oder Minderheiten den Zugang zu bestimmten Macht- und Verantwortungspositionen in ihren Berufen verwehrt.1 Glas ist heutzutage ein beliebtes Baumaterial. Angesehene Unternehmen, vornehmlich Banken und Versicherungen, präsentieren ihre Gebäude gern mit gläsernen Fronten. Neben der architektonischen Ästhetik symbolisiert dies Transparenz und Offenheit: Hier wird nichts hinter verschlossenen Türen verhandelt, hier gibt es keine Geheimnisse, hier wird Einblick in die Praxis gewährt, die Durchschaubarkeit von Vorgängen suggeriert. Es wird nichts versteckt oder verheimlicht; hinter diesen „Mauern“ geschieht nichts, was das Tageslicht scheuen müsste. Hier herrschen Klarheit und Durchlässigkeit – Vertrauen. So sehen die zeitgemäßen Fassaden aus: ästhetisch klar und transparent. Jedoch: Nicht von ungefähr sprechen Wirtschaftswissenschaftler(innen) und Soziolog(inn)en seit Mitte der 1980er Jahren2 von der Gläsernen Decke, von dieser unsichtbaren, undurchschaubaren Barriere, die Frauen zu spü- ren bekommen, wenn sie als qualifizierte Mitarbeiterinnen innerhalb des Unternehmens, der Organisation oder der Verwaltung die Fühler nach oben strecken; wenn sie sich um Führungspositionen bewerben, wenn sie ihren Anspruch auf Partizipation bei Entscheidungen und Planungen geltend ma- chen. Da sprechen sie inzwischen schon einmal davon, dass die Gläserne 1 Top-Management immer noch ein Herrenclub. Neue Accenture-Studie: Gesell- schaftliche Barrieren behindern Karriere in Deutschland. Weltweit keine Chan- cengleichheit für Frauen im Management. (Pressemappe 8.3.2006) Zitiert nach: http://www.presseportal.de/story.htx?nr=795048 (Zugriff am 24.2.2010). 2 Women in business: IT IS 20 years since the term „glass ceiling“ was...

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