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Die «Gläserne Decke»: Fakt oder Fiktion?

Eine literarische Spurensuche in deutschsprachigen Werken von Autorinnen

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Edited By Dolors Sabaté Planes and Marion Schulz

Die Metapher Gläserne Decke steht für Hindernisse, mit denen Frauen konfrontiert sind, wenn sie in ökonomischen wie alltäglichen Bereichen in klassische Männerdomänen einzudringen suchen, etwa Anspruch auf Führungspositionen erheben. Vor rund dreißig Jahren fassten Soziologen in den USA dieses Phänomen im wirtschaftlichen Bereich als glass ceiling. Die in diesem Band zusammengestellten Analysen literarischer Texte zeigen, wie das Phänomen der Gläsernen Decke das Alltagsleben von Frauen vom 18. bis ins 21. Jahrhundert auf differenzierte, häufig unterschwellige und erschreckend selbstverständliche Weise bestimmt. Gleichzeitig schaffen sich die untersuchten Autorinnen mit ihren autobiografischen Texten, Romanen, lyrischen und dramatischen Werken Freiräume und brechen tradierte Grenzen auf.

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Anne Martina Emonts: Der sichere Weg zur Unsichtbarkeit. Entwurf einer Typologie des Misserfolgs: Der Fall Mechtilde Lichnowsky

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Der sichere Weg zur Unsichtbarkeit Entwurf einer Typologie des Misserfolgs: Der Fall Mechtilde Lichnowsky Anne Martina Emonts 1. Einleitung Michael Guttenbrunner (1919-2004) erinnerte sich noch 2001 als einer der we- nigen, die Mechtilde Lichnowsky (1879-1958) kannten und schätzten, in sei- ner Veröffentlichung Im Machtgehege V an die vergessene Schriftstellerin: Der Frage nachdenkend, warum Mechtilde Lichnowsky so wenig bekannt ist, komme ich zu dem Schluß, daß ihre Vortrefflichkeit den Leser ermüdet. Sie hat wohl, wie der Apostel Paulus fordert, „Salz in ihrer Stimme“, aber kein Schmalz, kein Fett, keine Salbe; schreibend hämmert, meißelt, hobelt sie, aber sie schmiert nicht. Sie hat Eros, aber nicht „pleps-appeal“. Sie ist im Grunde mehr Zeichner als Maler, und Zeichnungen lesen ist nicht je- dermanns Sache. Lichnowsky lesen heißt: einem Zeichner beim Zeichnen nach dem Geist zuzusehen, wie er alles langsam, sorgfältig genauer aus- führt, bis letzte Genauigkeit, endgültige Vollkommenheit erreicht wird. Sie befindet sich schreibend eigentlich nicht in der Literatur, sondern in der Welt der Sachen und in der Sphäre des Handelns, und schreibt zum Zwecke der Erkenntnis, definitorisch, pädagogisch und autoritär. Zuviel Sachverstand und Sprachlehre: das macht den Leser müde. Er will gezogen, hingerissen, getragen werden. Lichnowsky dagegen fordert von ihm wie von sich selbst: Disziplin, sachliches, förmliches, handwerkliches Interesse, Selbstbeherr- schung, Selbstentsagung, Konzentration auf das Wesentliche, selbständiges Mitgehen.1 Zur Debatte steht – über Guttenbrunner hinausgehend, der in seinen Gedanken über Mechtilde Lichnowsky die Geschlechterfrage wohl ganz bewusst aus- spart...

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