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Die «Gläserne Decke»: Fakt oder Fiktion?

Eine literarische Spurensuche in deutschsprachigen Werken von Autorinnen

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Edited By Dolors Sabaté Planes and Marion Schulz

Die Metapher Gläserne Decke steht für Hindernisse, mit denen Frauen konfrontiert sind, wenn sie in ökonomischen wie alltäglichen Bereichen in klassische Männerdomänen einzudringen suchen, etwa Anspruch auf Führungspositionen erheben. Vor rund dreißig Jahren fassten Soziologen in den USA dieses Phänomen im wirtschaftlichen Bereich als glass ceiling. Die in diesem Band zusammengestellten Analysen literarischer Texte zeigen, wie das Phänomen der Gläsernen Decke das Alltagsleben von Frauen vom 18. bis ins 21. Jahrhundert auf differenzierte, häufig unterschwellige und erschreckend selbstverständliche Weise bestimmt. Gleichzeitig schaffen sich die untersuchten Autorinnen mit ihren autobiografischen Texten, Romanen, lyrischen und dramatischen Werken Freiräume und brechen tradierte Grenzen auf.

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Teresa Martins de Oliveira: Als die Gläserne Decke aus Eisen war. Eveline Haslers "Die Wachsflügelfrau. Geschichte der Emily Kempin-Spyri"

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Als die Gläserne Decke aus Eisen war Eveline Haslers Die Wachsflügelfrau. Geschichte der Emily Kempin-Spyri Teresa Martins de Oliveira Die Wachsflügelfrau. Geschichte der Emily Kempin-Spyri heißt der von Eveline Hasler 1991 veröffentlichte Roman über das Leben der ersten Schweizer Juristin.1 Dieser Titel ist bereits ein Lektürehinweis: Der befrem- dende Neologismus, der in die Reihe der von der Autorin häufig verwendeten Flugmetaphern passt, macht den Leser darauf aufmerksam, dass es sich um eine Variation des Ikarusmythos handelt. Der kühne Jüngling, der den Rat des Vaters vergisst und so hoch hinauffliegt, dass die Sonne das Wachs seiner Flügel schmilzen lässt und er ins Meer stürzt und ertrinkt, wird in Haslers Roman durch eine weibliche Figur ersetzt. Der Leser erwartet demzufolge die Geschichte einer Frau, die – im übertragenen Sinn – zu hoch hinaus woll- te und dabei zu dicht an die Sonne gekommen ist. Dass sie letztendlich zum Scheitern verurteilt ist, soll nicht vergessen lassen, wie hoch und mutig ihr Flug war. Der Untertitel gibt genauere Hinweise auf die Protagonistin des Romans. Emily Kempin-Spyri (1853-1901) war die erste Juristin des deutschspra- chigen Raums, die erste habilitierte Schweizerin, eine Frau die eine erfolg- reiche Karriere aufbaute, eine Spitzenposition erreichte und dadurch mitge- holfen hat, vielen anderen Frauen den Weg in die Öffentlichkeit zu weisen.2 Diese Arbeit ist Teil des Forschungprojektes „Interidentitäten“ des Instituto de Literatura Comparada Margarida Losa (Faculdade de Letras da Universidade do Porto) einer von der Fundação para a...

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