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Raum und Realismus

Hugo van der Goes’ Bildproduktion als Erkenntnisprozess

Susanne Franke

Diese Arbeit diskutiert die religiösen und bildästhetischen Funktionen und Vorstellungen, die Hugo van der Goes beim Akt des Malens beschäftigten. Im Spiegel seiner Zeit und eines seiner Aufträge, des monumentalen Triptychons für den Leiter der Medici-Filiale in Brügge, Tommaso Portinari, lässt sich eine künstlerische Entwicklung ablesen, die zeigt, welchen bedeutsamen Stellenwert mimetische Malerei für die Sinn- und Gottsuche des frühneuzeitlichen Individuums hatte.

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Einleitung

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Die Mythenbildung um Hugo van der Goes ist selbst schon legendär: Liebeskummer, die Auseinandersetzung mit der Kunst Jan van Eycks, sein melancholisches Genie, auch spiritueller Wahn werden verschiedentlich zur Ursache seines frühen Todes er- klärt.1 Den Anlass dafür liefert in allen Fällen ein Bericht, den ein Mitbruder des „Roode Kloosters“ bei Brüssel, in das Hugo van der Goes auf dem Höhepunkt seines künstlerischen Erfolgs eintrat, circa 30 Jahre nach dem Tod des Malers verfasste. Hugo van der Goes erlitt, so Gaspar Ofhuys, auf einer Reise, die er und weitere Brü- der des Klosters nach Köln unternahmen, eine mentale Krise und konnte nur mit Mühe vom Selbstmord abgehalten werden. Der weitere Text klingt auch bei Ofhuys wie eine Rechtfertigung: die gerechte Strafe für den durch seine Kunst entwickelten Hochmut sei diese Krankheit gewesen, von Gott veranlasst, sollte die Reue und Me- lancholie zur Läuterung führen. Über das eigentliche Sterben des Malers schließlich schreibt schon Ofhuys nichts.2 Die genaue Todesursache, die nur eine pathologische Untersuchung aufdecken könnte, lässt sich nicht mehr klären. Die erhaltenen Werke Hugo van der Goes’ hingegen kann man bis heute befra- gen. Und tatsächlich werden diese von einer als rückschrittlich geltenden Veränderung in der Raumkonstruktion bestimmt, die sich von einem Eyck’schen Detailrealismus, wie er im Monforte-Retabel (Tafel I) gegeben ist, zur Flächigkeit und Linearität voll- zieht, die das Spätwerk, die Berliner „Hirtenanbetung“ (Tafel II)...

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