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Raum und Realismus

Hugo van der Goes’ Bildproduktion als Erkenntnisprozess

Susanne Franke

Diese Arbeit diskutiert die religiösen und bildästhetischen Funktionen und Vorstellungen, die Hugo van der Goes beim Akt des Malens beschäftigten. Im Spiegel seiner Zeit und eines seiner Aufträge, des monumentalen Triptychons für den Leiter der Medici-Filiale in Brügge, Tommaso Portinari, lässt sich eine künstlerische Entwicklung ablesen, die zeigt, welchen bedeutsamen Stellenwert mimetische Malerei für die Sinn- und Gottsuche des frühneuzeitlichen Individuums hatte.

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Zusammenfassung

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Die bis heute kontrovers diskutierte, scheinbar rückschrittliche Entwicklung in der Raumauffassung, die das Werk Hugo van der Goes’ kennzeichnet und die diesem Maler zeitweilig die Aura des Melancholikers und sogar die des Geisteskranken zu verleihen schien, löst sich auf, fragt man nicht im klassischen Sinn nach der Funktion des spätmittelalterlichen Bildes im Kult oder in der Andacht, sondern nach dem Sta- tus des gemalten Artefakts für die Gotteserfahrung. Der Ausgangspunkt hierfür ist die individuelle Sicht des Malers auf die Welt, die er durch seine Tätigkeit des Malens in das Bild hineinträgt, die Bedingung, die mit Bonaventura gesetzte Gottebenbildlich- keit des Menschen, mit der die Zeichen der Präsenz Gottes in der Welt verstanden werden können. Die philosophisch-religiöse Dimension der Konstruktion von Bildrealität, die Erwin Panofsky dazu motivierte, in Bezug auf Jan van Eyck vom „disguised symbo- lism“ zu sprechen, und die Craig Harbison zur Charakterisierung persönlicher Stile in der ersten Malergeneration brachte, ist bis heute in ihrer bild-philosophischen Trag- weite ein Desiderat der Forschung geblieben. Nikolaus von Kues verbindet in seiner Schrift „De visione Dei“ die Verhältnisbestimmung des Menschen zu Gott und den neuzeitlichen Bildbegriff rhetorisch. Jan van Eyck entwarf mit seinen Christusporträts dazu vermutlich eine bildliche Position. Dieses nördlich der Alpen kulturell verankerte Verständnis, das aus der empirischen Erkundung der Welt resultiert, hat Hugo van der Goes, der der zweiten Malergeneration zuzurechen ist, spirituell gewendet. Schließlich scheint ihm dies mit dem Eintritt in...

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