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Bild-Linguistik

Grundbegriffe und Methoden der linguistischen Bildanalyse in Text- und Diskursumgebungen

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Franziska Große

Nie zuvor waren Bilder so präsent wie heute. Im «Optischen Zeitalter» ist die Fähigkeit zum «Bilderlesen» zu einer kulturellen Schlüsselkompetenz geworden, denn Sprache-Bild-Komplexe sind die wichtigsten Botschaftsträger, mit denen Menschen sich heute massenmedial verständigen. Sprache und Bild gehen dabei immer komplexere Synergien ein und bestimmen unseren kommunikativen Alltag. Diese Phänomene aus einer sprachwissenschaftlichen Perspektive zugänglich und beschreibbar zu machen, ist das Hauptanliegen der hier vorgestellten methodologischen Ansätze und der Typologie einer linguistischen Bildanalyse. Bilder werden darin in mehrere Beschreibungsebenen unterteilt und auf strukturelle, thematische, semantische, pragmatische und kommunikativ-funktionale Aspekte hin untersucht.

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I Prolog

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„Der Grundvorgang der Neuzeit ist die Eroberung der Welt als Bild.“ (Heidegger 1977b: 94) Nie zuvor waren Bilder so präsent wie heute. Mit der Erfindung der Fotogra- phie, der Verbreitung der Massenmedien und der Entwicklung der Computer- technologie hat sich der Wirkungsgrad des Bildlichen auf Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft eminent vergrößert. Beschleunigt durch die technologische Revolution der Digitalisierung bestimmen Bilder heute, im so genannten „Opti- schen Zeitalter“ (Straßner 2002: 1), nahezu alle Lebens- und Wissensbereiche unserer Gesellschaft: Die Vorstellung der meisten Menschen von der Erdkugel ist heute durch Satellitenaufnahmen geprägt. Computersimulationen unseres Gehirns nehmen wir wie selbstverständlich zur Kenntnis. Visuelle Kommunika- tion bestimmt unseren Alltag, den öffentlichen Raum und die Massenmedien: Sie sind voll von visuellen Zeichen, die Aufmerksamkeit fordern, warnen, wer- ben, verbieten, einladen, informieren. Die bisher als selbstverständlich geltenden räumlichen und funktionalen Grenzen zwischen Bild, Sprache und Schrift wer- den aufgelöst, die jeweiligen Vorteile von Schrift und Bild in neuartigen Zei- chensystemen verknüpft und zu permanent neuen Synergien, Metamorphosen und Mischformen gestaltet. Visualisierungskritiker1 warnen vor der „Bilder- und Reizüberflutung“ einer boulevardorientierten Unterhaltungskultur (vgl. Benjamin 1977b, Barthes 1985). Befürworter der Visualisierungstendenzen kritisieren den modernen Kulturpes- simismus, der angesichts der wachsenden Bedeutung von Bildern in der Kom- munikation „die mittelalterlichen Bilderstürme in der modernen Version der Bilderverachtung“ (Doelker 2002: 19) fortsetze. Beide Positionen bestätigen gleichermaßen den Befund: Bild- und Textme- dien unterliegen einem fundamentalen Wandel im Strukturgefüge, der sich in den Diskussionen um die jeweilige...

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