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Bild-Linguistik

Grundbegriffe und Methoden der linguistischen Bildanalyse in Text- und Diskursumgebungen

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Franziska Große

Nie zuvor waren Bilder so präsent wie heute. Im «Optischen Zeitalter» ist die Fähigkeit zum «Bilderlesen» zu einer kulturellen Schlüsselkompetenz geworden, denn Sprache-Bild-Komplexe sind die wichtigsten Botschaftsträger, mit denen Menschen sich heute massenmedial verständigen. Sprache und Bild gehen dabei immer komplexere Synergien ein und bestimmen unseren kommunikativen Alltag. Diese Phänomene aus einer sprachwissenschaftlichen Perspektive zugänglich und beschreibbar zu machen, ist das Hauptanliegen der hier vorgestellten methodologischen Ansätze und der Typologie einer linguistischen Bildanalyse. Bilder werden darin in mehrere Beschreibungsebenen unterteilt und auf strukturelle, thematische, semantische, pragmatische und kommunikativ-funktionale Aspekte hin untersucht.

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IV Zum Textbegriff

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„Es ist so wenig für das Verständnis eines Satzes wesentlich, daß man sich bei ihm etwas vorstelle, als daß man nach ihm eine Zeichnung entwerfe.“ (Wittgenstein 1984b: 426) Sprach-Texte und Sprechakte sind kommunikative Ausdrucksformen, die sym- bolisch die Sachverhalte und Objektbereiche der Welt darlegen. Es ist „nicht nötig zu behaupten, ein deskriptives Textstück sei genau wie ein Bild“ (Mitchell 2008: 36), denn: „Der Satz ist ein Bild der Wirklichkeit. Der Satz ist ein Modell der Wirklichkeit, so wie wir sie uns denken.“ (Wittgenstein 1984b: 4.01) Auf den ersten Blick scheint der Satz - wie er etwa auf dem Papier gedruckt steht - kein Bild der Wirklichkeit zu sein, von der er handelt. Aber auch die Notenschrift scheint auf den ersten Blick kein Bild der Musik zu sein, und unsere Lautzeichen- (Buchstaben-) Schrift kein Bild unserer Lautsprache. Und doch erweisen sich diese Zeichensprachen auch im gewöhnlichen Sinne als Bilder dessen, was sie darstellen.“ (Wittgenstein 1984b: 4.011) Mitchell (2008: 37) weist darauf hin, dass (sprachliche) Bilder natürlich nicht ganz das gleiche sind wie Sätze und auch Wittgenstein ergänzt in seinem Tracta- tus, dass in einem Satz, den wir als Bild empfinden, „das Zeichen offenbar ein Gleichnis des Bezeichneten“ ist (Wittgenstein 1984b: 4012). Nach Mitchell sind (sprachliche) Bilder „Übersetzungen, isomorphe Abbildungen, strukturelle Ent- sprechungen – symbolische Strukturen, die einem System von Überzeugungen gehorchen (Mitchell 2008: 37). Die ontologischen Voraussetzungen der Vorstel- lung, dass „die Möglichkeit aller Gleichnisse, der ganzen Bildhaftigkeit unserer Ausdrucksweise, in der Logik...

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