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Die Heldengalerie des Qianlong-Kaisers

Ein Beitrag zur chinesischen Porträtmalerei im 18. Jahrhundert

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Annette Bügener

Die Heldengalerie des Qianlong-Kaisers stellt die erste umfassende Dokumentation und Analyse eines in der chinesischen Kunstgeschichte zahlenmäßig absolut einmaligen, nicht mehr übertroffenen Bildprogramms dar. Hiermit wird erstmals eine systematisch vergleichende Arbeit über das Genre des Porträts verdienter Untertanen ( gongchenxiang bzw. gongchentu), womit in diesem Falle spezifisch Offiziersporträts gemeint sind, im 18. Jahrhundert vorgelegt. Bilder dieses Typs des verewigten Helden wurden – zumindest bis in die jüngste Vergangenheit – nicht ernsthaft als Kunstwerke betrachtet. Die Untersuchung behandelt in vier Themenkomplexen Tradition, Kontext der Werkgenese, Bildaufbau einschließlich Format- und Serienversionen sowie Funktion dieser außergewöhnlichen Bildgattung. Ein ausführlicher Werkkatalog und Tabellen im Anhang sowie ein separater Abbildungsteil auf der beiliegenden CD ergänzen die Studie.

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2. Tradition der Heldengalerie – Vorläufer und Epigonen

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Schon in der Chou [Zhou]-Dynastie gab es Galerien berühmter Männer, Staatsmänner und Feldherren, die sich um das Vaterland verdient gemacht hatten und in Gemälden oder vielleicht schon in plastischen Vollfiguren als Vorbilder der Tüchtigkeit posthume Verehrung genossen. Die Sitte blieb durch alle Zeit erhalten, und wiederholt wird der Tempel der Patrioten oder Berühmtheiten als eine Art Walhalla in der Geschichte bis in die neueste Zeit hinein erwähnt.119 Das oben angeführte Zitat ist dem Monumentalwerk des deutschen Architek- ten Ernst Boerschmann über Gedächtnistempel (ci 祠) aus dem Jahre 1914 entnommen und kann damit als früheste westliche Quelle für die These einer Jahrtausende alten Tradition der Heldengalerie gelten. Nicht von ungefähr wählt Boerschmann als Vergleich den deutschen Ruhmestempel Walhalla120, da ihm bei seinen Reisen durch mehrere Provinzen Chinas aufgefallen war, dass die Gedächtnistempel nahezu ausschließlich in einer landschaftlich schönen Ge- gend angelegt worden waren, was er auf die enge Verbindung von Natur und Ausbildung geistiger Charakterstärke im chinesischen Denken zurückführt.121 In unserem Zusammenhang entscheidend ist, dass diese These trotz spärlicher archäologischer und schriftlicher Nachweise von einer geradezu zwingenden Logik zeugt. So muss die Loyalität von Staatsdienern bei der Schaffung und Be- wahrung eines Staates auch schon im vorkonfuzianischen China eine entschei- dende Rolle gespielt haben und wurde daher von den Herrschern gewürdigt. 119 Boerschmann 1914: 87. Siehe auch Kap. 5. 120 Die Walhalla auf dem Bräuberg bei Regensburg...

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