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Kognitive Dysphasien

Differenzialdiagnostik aphasischer und nichtaphasischer zentraler Sprachstörungen sowie therapeutische Konsequenzen

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Maria-Dorothea Heidler

In diesem Buch geht es um einen bislang vernachlässigten Bereich in der sprachtherapeutischen Forschung: die Konzeptualisierung nichtaphasischer zentraler Sprachstörungen. Ausgangspunkt ist die Überlegung, dass kognitive Funktionen wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Sprache auf komplexen Interaktionen in neuronalen Netzwerken mit einer hochgradig distribuierten und parallelen Architektur beruhen. Fallen Teile dieser Netzwerke aus, kommt es zu sekundären (systembedingten) Störungen in funktional eng gekoppelten Systemen. «Kognitive Dysphasien» bezeichnen solche systembedingten Sprachstörungen infolge primär gestörter Netzwerke für Aufmerksamkeits- und Gedächtnisprozesse. Ausführlich beschrieben werden Sprachstörungen nach rechtshemisphäriellen und frontalen Läsionen, nach Hypoxien, im Rahmen vaskulärer und degenerativer Demenzen sowie bei endogenen und exogenen Psychosen.

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THERAPEUTISCHER TEIL

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9 Therapie Kognitiver Dysphasien Die letzten Kapitel gehen der Frage nach, ob Kognitive Dysphasien durch sprach- therapeutische Interventionen generell beeinflussbar sind und wenn ja, welche thera- peutischen Interventionen möglicherweise eingesetzt werden können. Ausgangs- punkt ist zum einen die Fragestellung, wann Therapiefähigkeit vorliegt, zum ande- ren, welche therapeutischen Ziele erstrebenswert resp. überhaupt realistisch sind. Grundlage bilden dabei neurobiologische Lerngesetze und neuere Forschungen zur neuronalen Plastizität. 9.1 Therapiebedürftigkeit versus Therapiefähigkeit von Kognitiven Dysphasikern und Aphasikern 9.1.1 Indikation versus Kontraindikation für Sprachtherapie Die Therapie Kognitiver Dysphasien im Rahmen der Sprachtherapie ist ein neues Feld. Die Praxis zeigt, dass es klare Abgrenzungen innerhalb des rehabilitativen Teams gibt: Während die Behandlung primärer Aphasien den Sprachtherapeuten obliegt, werden Kognitive Dysphasiker vorrangig an Neuropsychologen verwiesen, da es bislang keine geeigneten sprachtherapeutischen Methoden gibt, die eine In- tervention sinnvoll erscheinen lassen. Generell stellt sich die Frage, ob die Anwendung klassischer aphasietherapeutischer Verfahren bei der Therapie Kognitiver Dysphasien überhaupt möglich ist. Viele Autoren aphasiologischer Literatur umgehen dieses Problem, indem sie klare Kon- traindikationen aufstellen – Patienten werden dabei im Hinblick auf ihre Eignung für sprachtherapeutische Interventionen beurteilt. Kontraindikationen sind u.a.: ■ eine fortschreitende Hirnsclerose und Demenz (Krome 1989), ■ keine ausreichende physische, psychische und kognitive Verfassung für eine Therapie (Bauer 2001), ■ eine bilaterale cerebrale Schädigung sowie Psychosen (Böhme 1983), ■ Anosognosie, schwere Desorientiertheit, fehlender Kommunikationswunsch und fehlende mimische, gestische oder tonale Reaktionen auf Ansprache (Neu- bart, Palm, Steiner 1998) oder ■ Antriebsmangel, alogische Denkstörungen, Schizophasien oder dysexekutive Störungen...

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