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Kognitive Dysphasien

Differenzialdiagnostik aphasischer und nichtaphasischer zentraler Sprachstörungen sowie therapeutische Konsequenzen

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Maria-Dorothea Heidler

In diesem Buch geht es um einen bislang vernachlässigten Bereich in der sprachtherapeutischen Forschung: die Konzeptualisierung nichtaphasischer zentraler Sprachstörungen. Ausgangspunkt ist die Überlegung, dass kognitive Funktionen wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Sprache auf komplexen Interaktionen in neuronalen Netzwerken mit einer hochgradig distribuierten und parallelen Architektur beruhen. Fallen Teile dieser Netzwerke aus, kommt es zu sekundären (systembedingten) Störungen in funktional eng gekoppelten Systemen. «Kognitive Dysphasien» bezeichnen solche systembedingten Sprachstörungen infolge primär gestörter Netzwerke für Aufmerksamkeits- und Gedächtnisprozesse. Ausführlich beschrieben werden Sprachstörungen nach rechtshemisphäriellen und frontalen Läsionen, nach Hypoxien, im Rahmen vaskulärer und degenerativer Demenzen sowie bei endogenen und exogenen Psychosen.

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10 Zusammenfassung und Ausblick

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Ziel dieser Arbeit war die Konzeptualisierung nichtaphasischer zentraler Sprachstö- rungen. Ausgangspunkt war die Überlegung, dass kognitive Funktionen wie Wahr- nehmung, Gedächtnis und Sprache auf komplexen Interaktionen in neuronalen Netzwerken mit einer hochgradig distribuierten und parallelen Architektur beru- hen. Fallen Teilsysteme dieser Netzwerke aus, zeigen sich sekundäre (systembe- dingte) Störungen in funktional eng gekoppelten Systemen. Da das Sprachsystem untrennbar mit Prozessen von Aufmerksamkeit und Gedächtnis verbunden ist, sollten Störungen attentionaler und mnestischer Prozesse systembedingt zu Stö- rungen der Sprachverarbeitung führen. Diese als „Kognitive Dysphasien“ bezeichneten sekundären Sprachstörungen finden sich vor allem: nach rechtshemisphäriellen Läsionen, nach Frontalhirnläsionen (bei apathischen, desorganisierten und enthemmten Formen in jeweils unterschiedlicher Ausprägung, bspw. nach SHT), nach Hypoxien, im Rahmen vaskulärer und degenerativer Demenzen sowie im Rahmen endogener und exogener Psychosen. Unterschieden werden kann demnach auf ätiologischer und symptomatologischer Basis in Kognitive Dysphasien mnestischer, attentionaler, dysexekutiver, demen- zieller und psychotischer Genese, wobei meist mehrere Störungskomponenten vor- liegen werden (bspw. führt eine demenzielle Genese unweigerlich zu mnestischen Störungen, dysexekutive Störungen bedingen attentionale Defizite etc.). Mehrfach- genesen resp. Mischformen Kognitiver Dysphasien sind demnach die Regel, nicht die Ausnahme. Subcorticale und transcorticale Aphasien nehmen eine Zwitterstellung ein zwischen Kognitiven Dysphasien (auch „sekundäre Aphasien“) und primären Aphasien (Standardsyndromen), da zum einen aphasische, zum anderen kognitiv-dyspha- sische Störungskomponenten anzutreffen sind. Der Status der „Aphasie“ ist dem- nach bei diesen Sonderformen umstritten, da meist nicht alle Modalitäten betroffen sind und Denkst...

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