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Bewusste Inkorporation in der Capoeira Angola

Eine ethnologische Forschung über die Freiheit des Geistes

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Anna Katharina Aichroth

Diese Arbeit nutzt Konzepte aus dem Repertoire der Performanztheorien zur Analyse des afro-brasilianischen Kampftanzes Capoeira Angola. Ungewöhnlich ist dabei die Rolle der Verfasserin, die sowohl als Ethnologin als auch als Lernende (und inzwischen Lehrende) der Capoeira in ihrer Person Innen- und Außensicht auf den Gegenstand verbindet. Sie versucht durch ihre 2008 durchgeführte Feldforschung den Widerspruch zwischen klaren Regeln und definierten Kontexten einerseits und der Förderung von Improvisation, Reflexion und Handlungsbevollmächtigung andererseits aufzulösen. Um dieses Phänomen der Bewußten Inkorporation zu verstehen, bedient sie sich der Konzepte verschiedener Performanztheorien. Dabei befaßt sich die Arbeit mit der Capoeira in Europa, jedoch unter einem anderen Gesichtspunkt als die bisherige ethnologische Literatur. Es geht der Verfasserin weniger um den sozialen Kontext Barcelonas, als um das Verstehen der geistigen und körperlichen Techniken, durch die der Meister (Mestre China) seine Botschaft vermittelt.

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Teil I Einleitung

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Noch bevor ich mich im September 2008 zur abschließenden Feldforschung nach Barcelona aufmachte, wurde mir als Schülerin und Trenel1 Olho de Gata2 der Comunidade da Capoeira Angola Barcelona unter Mestre China3 bewusst, dass hier in der Capoeira Angola eine Form von Freiheit gelebt wurde, die nicht mit westlicher Logik zu (be-)greifen ist. Nach einem Spiel saßen die Schülerinnen4 der Comunidade mit ihrem Meister im Kreis und Mestre China vermittelte diese Bot­ schaft auf verbale Weise: „Ich glaube nicht an die Liebe. Ich glaube an die Freiheit im Kontext.“5 Mit diesen Worten drückte er aus, was im Spiel, dem Ritual der roda, erfahrbar war. Ich begriff damals, dass hier keine Definition von Freiheit vermittelt wurde, sondern zuerst eine Möglichkeit zur Reflektion gegeben wurde, da sich Freiheit und der Kontext im Sinne eines Rahmens widersprechen. Und schließ - lich wurde mir klar, dass sich diese Freiheit auf den Kontext des Rituals bezog und dass die roda de Capoeira dem/der Capoeirista6 zu freier Handlung verhelfen kann - wenn er/sie zu einer anderen Art des Denkens bereit ist. Zudem war es mir nur möglich, in dieses Denken einzutauchen, da ich dies bereits selbst körperlich erfahren hatte. Im Spiel, demjogo. Schließlich entschloss ich, diese Erkenntnis als Capoeirista auch wissenschaftlich zu bearbeiten und dabei besonders zu untersu­ chen, auf welche Art und Weise Mestre China Capoeira Angola vermittelt und wie sehr diese Kunst zur Bildung reflexiver Persönlichkeiten beiträgt. Dieser Ansatz der freiheitlichen Erziehung...

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